Neue innovative Medikamente vom Gemeinsamen Bundesausschuss mehrfach mit “Zusatznutzen nicht belegt” bewertet – Medizinische Fachgesellschaften sehr besorgt über diese Entwicklung

Ob beim Lungenkrebs, chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) oder Dickdarmkrebs: Trotz Verlängerung der Überlebenszeiten wird neuen innovativen Medikamenten der Zusatznutzen durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) in Frage gestellt.

Die DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V. und die Arbeitsgemeinschaft für Internistische Onkologie (AIO) der Deutschen Krebsgesellschaft befürchten, dass diese Tendenz den Zugang zu neuen Arzneimitteln insbesondere für Krebspatienten in schwierigen oder fast aussichtslosen Situationen gefährdet.

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In den letzten Wochen hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) mehrfach die Festlegung „Zusatznutzen nicht belegt“ für Krebsmedikamente getroffen, obwohl diese die Überlebenszeit der Patienten verlängern. Auch wurde innovativen Präparaten für die chronische lymphatische Leukämie und das Lungenkarzinom kein Zusatznutzen gerade in den Patientengruppen zugesprochen, in denen der höchste, ungedeckte, medizinische Bedarf besteht. 

Die frühe Nutzenbewertung nach dem Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) wurde 2010 mit dem Ziel eingeführt, den Zusatznutzen neuer Arzneimittel als Grundlage der Preisbildung zu verwenden. Das Verfahren ist aufwändig, umfasst Dossiers der pharmazeutischen Unternehmer von 1.000 und mehr Seiten, einen Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bzw. des G-BA und eine Anhörung, an der auch die wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften beteiligt sind. Einer der großen Vorteile des Verfahrens liegt in wertvollen, zusätzlichen Informationen über neue Arzneimittel. Die Nutzenbewertung hat aus Sicht von DGHO und AIO bisher gut funktioniert. Sie muss ein lernendes System bleiben. Allerdings wurden in mehreren Verfahren der letzten Wochen vom G-BA überraschend negative Festlegungen getroffen. Sie sind Anlass, auf eine sich andeutende Fehlentwicklung hinzuweisen.

„Zusatznutzen nicht belegt“ trotz Verlängerung der Überlebenszeit

Bei drei im September 2016 abgeschlossenen Verfahren der frühen Nutzenbewertung (Ramucirumab beim Dickdarmkrebs, Ramucirumab beim Lungenkrebs, Necitumumab beim Lungenkarzinom) führt die Kombination der neuen Antikörper mit konventioneller Chemotherapie in großen randomisierten Studien zu einer signifikanten Verlängerung der mittleren Überlebenszeit, rechnerisch um 14 bis 21 Prozent gegenüber der Chemotherapie allein. Die Gabe dieser Antikörper ist mit Nebenwirkungen belastet, bei Ramucirumab u. a. mit einem stärkeren Abfall der weißen Blutkörperchen als mit Chemotherapie allein, mit Fatigue und mit erhöhtem Blutdruck. Bei Necitumumab tritt vor allem eine Hautreaktion auf.

In der Praxis werden Krebspatienten vor dem Therapiestart ausführlich über den Nutzen und die Nebenwirkungen neuer Arzneimittel aufgeklärt. Der Patient entscheidet, wie wichtig ihm die mögliche Verlängerung der Überlebenszeit gegenüber dem Risiko von Nebenwirkungen ist. Auch nach der Entscheidung für die Therapie mit einem neuen Arzneimittel kann er die Behandlung beim Auftreten belastender Nebenwirkungen jederzeit abbrechen.

Der G-BA hat in den drei Verfahren nicht aus dieser Patientensicht, sondern nach der Formel entschieden:

Verlängerung der Überlebenszeit – Nebenwirkungen = Zusatznutzen nicht belegt

Ähnlich war auch schon das Vorgehen zu Regorafenib beim Dickdarmkrebs im April 2016. Prof. Dr. Carsten Bokemeyer, Geschäftsführender Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie erläutert: „Für viele Patienten ist eine mögliche Verlängerung der Überlebenszeit die dominierende Motivation für eine Krebstherapie. Dafür sind sie auch bereit, Nebenwirkungen zumindest bis zu einem bestimmten Ausmaß in Kauf zu nehmen.“

„Zusatznutzen nicht belegt“ trotz hoher Ansprechraten

Innerhalb bestimmter Krebskrankheiten können heute vielfach Subgruppen – oft auf der Basis molekularer Faktoren – mit besonders ungünstiger Prognose identifiziert werden. Bei der chronischen lymphatischen Leukämie gehören dazu Patienten mit del17p bzw. der TP53 Mutation. Der orale Kinase-Inhibitor Idelalisib führt bei dieser Hochrisikogruppe in Kombination mit Anti-CD20-Antikörper zu Remissionsraten von etwa 80 Prozent sowie einer signifikanten Verlängerung der progressionsfreien und der Gesamtüberlebenszeit. In der Neubewertung des Zusatznutzens von Idelalisib wurde der Subgruppe von Patienten mit del17p bzw. TP53 Mutation kein Zusatznutzen zuerkannt. „Idelalisib ist eine unverzichtbare Behandlungsoption für CLL-Patienten mit 17p- oder TP53 Mutation“, erklärt Prof. Dr. Michael Hallek, Vorsitzender der DGHO Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie und Leiter der deutschen CLL-Studiengruppe.

Eine prognostisch sehr ungünstige Gruppe beim EGFR-mutierten Lungenkarzinom sind Pati-enten mit einer T790M-Mutation. Sie sind resistent gegenüber den sonst hoch wirksamen Tyrosinkinase-Inhibitoren. Der neue Kinase-Inhibitor Osimertinib wirkt gezielt bei dieser vorbehandelten Patientengruppe mit einer Ansprechrate von über 60 Prozent und einer progressionsfreien Überlebenszeit von fast 10 Monaten. Auch Osimertinib wurde in der aktuellen Nutzenbewertung kein Zusatznutzen zugesprochen. „Osimertinib ist eine genau für einen spezifischen Resistenzmechanismus entwickelte Substanz mit hoher klinischer Wirksamkeit und guter Verträglichkeit. Ohne diese Substanz ist die optimale, gezielte Behandlung dieser gut definierten Subgruppe von Patienten mit einer EGFR-Resistenzmutation nicht gegeben“, so Prof. Dr. Martin Reck, Chefarzt des Onkologischen Schwerpunktes der Lungenfachklinik Grosshansdorf und Beisitzer im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft (AIO).

DGHO und AIO plädieren für eine stärker patientenzentrierte Nutzenbewertung neuer Arzneimittel mit höherer Gewichtung von Endpunkten wie Überlebenszeit gegenüber potenziellen, reversiblen Nebenwirkungen. In der Praxis ist es ureigene ärztliche Aufgabe gemeinsam mit dem Patienten die Abwägung von individuell erzieltem Erfolg und individuell auftretender Toxizität kontinuierlich im Behandlungsverlauf neu zu bewerten. Auch plädieren wir für einen Fokus auf Patientengruppen mit ungedecktem, medizinischem Bedarf. Bei Vorliegen überzeugender Daten zum Ansprechen und zur Verträglichkeit sollte ein befristeter Zusatznutzen ausgesprochen werden. Unabhängige Register können helfen, den Zusatznutzen in der Versorgungsrealität zu quantifizieren. Durch die G-BA Festlegung „Zusatznutzen nicht belegt“ werden Patienten und verordnende Ärzte verunsichert mit dem Risiko, dass ein wirksames Präparat gar nicht eingesetzt wird.

Quelle: DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V. sowie Arbeitsgemeinschaft internistische Onkologie (AIO) der Deutschen Krebsgesellschaft e.V.

Stammzellforschung – Von der Krebsursache zum medizinischen Fortschritt

Zum nunmehr sechsten mal richtet das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) vom 18. bis 20. September 2016 das Internationale Heinrich F.C. Behr-Symposium aus, dass alle zwei Jahre stattfindet. Rund 400 Experten aus aller Welt tauschen sich aus, um über Stammzellen, Krebs und Krebsstammzellen zu berichten und zu diskutieren.

Bauchspeicheldrüsenkrebs_Stammzellen_DKFZ

“…Wir sind davon überzeugt, dass dieses Forschungsgebiet die Behandlung von Krebspatienten in Zukunft entscheidend beeinflussen und verbessern wird”, sagt Michael Boutros, der kommissarische Wissenschaftliche Vorstand des DKFZ. “Das zeigen allein schon einige der Ergebnisse, die auf dem diesjährigen Symposium vorgestellt werden.” “Die Krebsstammzellforschung ist in der Medizin angekommen”, freut sich Andreas Trumpp vom DKFZ und von HI-STEM, dem “Heidelberger Institut für Stammzellforschung und experimentelle Medizin, das das DKFZ mit der Dietmar Hopp Stiftung gegründet hat. “Die Aufklärung der Tricks der Krebsstammzellen liefert uns wertvolle Ideen für die Therapie, die wir nun beginnen umzusetzen. Und mit 3D-Kulturen von Tumoren können wir das Tumorgeschehen in der Petrischale nachahmen und gleichzeitig Strategien für die Behandlung entwickeln.”

Erblich bedingten Brustkrebs

Von der Stammzellforschung zur Brustkrebs-Prävention – das ist das Ziel von Jane Visvader vom Walter and Eliza Hall Institute in Melbourne, Australien. 2006 ist es ihr als erster gelungen, die Brustdrüsen-Stammzellen zu identifizieren. Nun hat sie herausgefunden, wie genetische Veränderungen bestimmte Tochterzellen dieser Stammzellen zu einer besonders gefährlichen Form von Brustkrebs entarten lassen, und wie man diesen Prozess mit einem Medikament verhindern kann. Dies könnte die Prävention von erblich bedingtem Brustkrebs erheblich verbessern, als Alternative zur bisher oft vorgenommenen Radikaloperation.

Bauchspeicheldrüsenkrebs

Andreas Trumpp berichtet darüber, wie verschiedene Krebsstammzellen unterschiedliche Typen von Bauchspeicheldrüsenkrebs hervorrufen. Auf der Basis dieser Forschung fand er heraus, warum einer der Subtypen von Bauchspeicheldrüsenkrebs so besonders resistent gegen Chemotherapien ist und wie sich hieraus ein neuer Ansatz ergeben könnte, um wirksamere Therapien zu entwickeln.

Organoide zum besseren Verständnis für Organentwicklung und Krankheitsentstehung

Ein besonders spannendes Thema der aktuellen Stammzellforschung sind so genannte Organoide, in der Kulturschale aus Stammzellen gezüchtete organähnliche Strukturen. Für die Grundlagenforschung haben sie großes Potential, um beispielsweise zu verstehen, wie sich Organe entwickeln oder wie Krankheiten entstehen. In der medizinischen Forschung verspricht man sich Fortschritte bei der Entwicklung von Organersatz, sie gelten außerdem als ideal, um neue Wirkstoffe zu erproben.

Gehirn in der Kulturschale

Jürgen Knoblich vom Institut für Molekulare Biotechnologie in Wien stellt das besonders aufsehenerregende und hochkomplexe menschliche “Gehirn in der Kulturschale” vor, das tatsächlich aus verschiedenen gehirntypischen Strukturen aufgebaut ist und aktive Nervenzellen enthält.

Organoide aus patienteneigenen Krebszellen zur zielgerichteten Therapie

Dem niederländischen Stammzellforscher Hans Clevers vom Hubrecht Institut für Entwicklungsbiologie und Stammzellforschung in Utrecht ist es erstmals gelungen, Organoide aus patienteneigenen Krebszellen zu züchten. An diesen Gewebestrukturen können die Wissenschaftler und Ärzte prüfen, welche zielgerichteten Medikamente oder Medikamentenkombinationen am wirksamsten sind und so die Therapie vorab an den individuellen Tumor anpassen.

 

Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ),  Internationale Heinrich F.C. Behr-Symposium, 18. bis 20. September 2016

Brustkrebs Metastasierung – Protein Endosialin als möglichen Biomarker identifiziert

Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum haben gemeinsam mit Londoner Kollegen entdeckt, dass das Protein Endosialin eine Schlüsselrolle bei der Metastasierung von Brustkrebs spielt. Produzieren bestimmte Zellen der Blutgefäßwand viel Endosialin, so können Brustkrebszellen leichter in die Blutbahn eindringen und sich so im Körper ausbreiten. Die Forscher sehen in Endosialin einen potentiellen Biomarker, um das Risiko für die Metastasierung einzuschätzen. Wirkstoffe gegen Endosialin könnten möglicherweise sogar die Metastasierung aufhalten.
Brustkrebs Metastasierung_Wie Blutkrebszellen die Ausbreitung von Brustkrebs fördern
Wenn Brustkrebs in andere Gewebe des Körpers streut, sinken die Chancen auf Heilung rapide. Metastasen, die Tumorabsiedlungen, sind die Hauptursache für die knapp 18.000 jährlichen Brustkrebs-Todesfälle in Deutschland – der primäre Krebsherd ist selten tödlich.

Weil sie auf die Versorgung mit Nährstoffen angewiesen sind, locken Tumoren Blutgefäße aktiv an. Außerdem nutzen Krebszellen die Blutgefäße, um sich im Körper zu verbreiten. Eine Gruppe von Forschern um Hellmut Augustin vom Deutschen Krebsforschungszentrum und der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg hat nun gemeinsam mit Kollegen um Clare Isacke vom Institute of Cancer Research in London untersucht, wie die Blutgefäße die Krebsausbreitung aktiv unterstützten. Eine zentrale Rolle spielen dabei die so genannten Perizyten, Zellen, die das Äußere der Gefäße bedecken.

Den Forschern war aufgefallen, dass Perizyten große Mengen des Membranproteins Endosialin produzieren. Um eine mögliche Rolle dieses Moleküls bei der Ausbreitung von Krebszellen zu prüfen, verglichen sie Mäuse, die aufgrund eines Gendefekts kein Endosialin produzieren konnten, mit normalen Tieren.

Während Endosialin für das Wachstum der primären Brusttumoren keine Rolle spielte, fördert es stark deren Metastasierung. Offenbar erleichtert es Endosialin den Tumorzellen, mit den Gefäßzellen in Kontakt zu treten und so in die Blutbahnen einzudringen. Das konnten die Wissenschaftler an Experimenten mit Tumorzellen und Blutgefäßzellen in der Kulturschale direkt mitverfolgen.

Um herauszufinden, ob sich auch bei Brustkrebspatientinnen ein Zusammenhang zwischen Endosialin und der Ausbreitung der Erkrankung beobachten lässt, untersuchte das Forscherteam Tumor-Gewebeproben von 334 Patientinnen. Beim Abgleich mit den klinischen Verläufen stellten die Wissenschaftler fest: Je höher die Endosialin-Spiegel in den Tumor-Blutgefäßen war, desto stärker hatte der Krebs gestreut. Auch die Überlebenszeit stand im Zusammenhang mit der Menge des von den Perizyten produzierten Endosialins.

“Wir wissen noch nicht, warum und wann Perizyten plötzlich damit beginnen, große Mengen Endosialin zu produzieren. Und wir wissen auch noch nicht, wie das Molekül den Krebszellen tatsächlich dabei hilft, die Blutgefäße zu entern. Das werden die kommenden Schritte unserer Forschung sein”, sagt Courtney König, die Erstautorin der Arbeit.

Studienleiter Hellmut Augustin ergänzt: “Es lohnt sich zu prüfen, ob sich Endosialin als Biomarker eignet, der das Risiko der Metastasierung anzeigt: Wird in der Tumorgewebeprobe einer Brustkrebspatientin viel Endosialin gefunden, so könnte das bedeuten, dass der Tumor bereits gestreut hat. Darüber hinaus werden zukünftige Arbeiten zeigen, ob ein Wirkstoff gegen Endosialin die Metastasierung bremsen kann.”

Literaturhinweise:
Carmen Viski, Courtney König, Magdalena Kijewska, Carolin Mogler, Clare M. Isacke, and Hellmut G. Augustin: Endosialin-expressing Pericytes Promote Metastatic Dissemination.
Cancer research 2016, DOI: 10.1158/0008-5472.CAN-16-0932

Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)

Spiritualität – der Anker in Krisenzeiten

Bild 1_Spiritualität Huth

So gut wie jeder von uns hat einmal in einer brenzligen Situation oder vor der Bewältigung einer schwierigen Aufgabe gestanden und dann ein Stoßgebet (zu wem auch immer!!!) losgeschickt: Lass es gut gehen! Lass es klappen! Lass mich siegen – oder ganz einfach – beschütze mich!

Ganz gleich an wen diese Bitten gerichtet sind, haben wir gehofft, dass eine höhere Instanz es schon für uns und zu unseren Gunsten regeln und in ihre Hände nehmen wird. Für die einen gehört dies zum Teil ihres Glaubens, ihrer Religiosität. Für andere ist es eine Art Urvertrauen durch eine Macht und Stärke – sei es von innen oder außen – getragen zu werden.

Vor allem im Zusammenhang mit einer Erkrankung kommen wir ins Nachdenken, suchen wir nach einem „Ankerplatz“, nach Orientierung, nach etwas was uns hält. Wir brauchen Impulse und Perspektiven, die uns die Kraft und den Mut geben, weiter zu machen, nicht aufzugeben – selbst wenn es in der Situation besonders schwer fällt und wir physisch wie auch psychisch an unsere Grenzen stoßen.

Egal ob Christ, Muslim, Buddhist, Jude, gläubig oder nicht, gibt es im Leben eines Menschen eine Kraft, die ihn trägt und hoffen lässt. Nennen wir sie einmal generell Spiritualität. Spiritualität (von lat. spiritus – Geist, bzw. spiro – ich atme) bedeutet im weitesten Sinne Geistigkeit und bezeichnet eine auf einen geistlichen Inhalt ausgerichtete Haltung. Während Religiosität Ordnung sowie Vielfalt in der Welt und gleichzeitig auch die Empfindung einer übergeordneten Wirklichkeit meint (Transzendenz), beinhaltet Spiritualität eine Hinwendung und/oder das aktive Praktizieren einer als richtig/passend empfundenen Glaubenshaltung oder Philosophie. Daraus lässt sich folgern, dass Spiritualität auch Auswirkungen auf die persönliche Lebensgestaltung und nicht zuletzt auch auf die Krankheitsbewältigung eines Menschen hat.

Sinnfragen

Schon immer hat sich der Mensch mit Fragen des Daseins, der Welt und der eigenen Existenz beschäftigt. „Mit dem Begriff Spiritualität wird eine nach Sinn und Bedeutung suchende Lebenseinstellung bezeichnet.“[i]Vor allem im Moment gesundheitlicher Beeinträchtigungen kommen diese Sinnfragen noch deutlicher zum Vorschein. „Warum trifft es mich?“ „Was habe ich verkehrt gemacht?“ „Was/wer kann mir helfen?“ „Wofür lebe ich?“ „Wie war mein Leben bisher? Wie wird es künftig sein?“ Vieles macht im Falle einer Erkrankung zunächst keinen Sinn, bleibt unverständlich, nebulös. Oft wird Krankheit als Sinnvernichter, als Zeit- und Lebensräuber gesehen. Aber viele Menschen beginnen erst im Angesicht einer ernsthaften Erkrankung mit einem viel bewussteren, intensiveren, achtsameren Leben.

Befragt man Patienten nach ihren persönlichen Ausdrucksformen und Ideen von Spiritualität, so können mindestens sieben Faktoren ausfindig gemacht werden[ii]:

 

Spiritualität Abb2_Huth

Spiritual Care

Mit Spiritual Care ist zunächst einmal die (gemeinsame) Sorge um die Möglichkeit der Teilhabe und Teilnahme an einem als sinnvoll erfahrenen Leben gemeint. In diesem Zusammenhang ist an den Grenzen zwischen Medizin, Theologie/Seelsorge, Psychologie und auch Pflege eine noch sehr neue und junge wissenschaftliche Disziplin[iii]  entstanden, die sich interdisziplinär und stark patientenorientiert mit der Begleitung (schwerst-)kranker Patienten befasst. Es handelt sich dabei um eine ganzheitliche Versorgung erkrankter Menschen, bei der neben der medizinischen Versorgung auch das seelische Wohl im Mittelpunkt steht. Das Aufspüren, Entwickeln und Leben von Spiritualität ist eng geknüpft an Aspekte wie Sinnsuche und Trost, an die mentalen, emotionalen Bedürfnisse eines Menschen in einer Krankheitssituation.

Besonders im Falle einer Erkrankung erwacht bei vielen Menschen das Verlangen nach einer spirituellen Begleitung, einem spirituellen Halt, der dabei auch nicht immer rein religiös ausgeprägt sein muss. Insofern ist mit der Frage, was einen Menschen trägt und ihm Halt gibt, auch die Einsicht verbunden „Man kann nicht nicht spirituell sein“[iv]. Die Aufgabe von Spiritual Care ist dabei, die spirituellen Ressourcen, die jeder Mensch besitzt, freizulegen und im achtsamen Umgang mit der Individualität jedes Einzelnen zu fördern und dafür in der Achtung gegenüber der jeweiligen Religion oder Überzeugungen Raum zu schaffen – auf dem Weg zu Hoffnung und Vertrauen.

Spiritualität Abb3_Fragestellungen

Lebensqualität

Gut ist, was gut tut – in diesem Kontext mehren sich inzwischen auch die Hinweise aus der Wissenschaft, dass Spiritualität einen erheblichen Anteil bei Heilungsprozessen hat. So sieht der Heidelberger Biophysiker M.H. Niemz den Faktor Spiritualität als „Wahrheit, die von innen kommt“[v]. D.h. mittels Spiritualität schafft sich der Mensch seinen eigenen persönlichen, heilsamen, tröstlichen Kosmos, seinen sicheren Ort und aus dieser Perspektive heraus, kann sich auch der Glaube an sich selbst entwickeln (Selbstwirksamkeit!). Auf medizinischem Gebiet existieren bereits zahlreiche Studien, die eine positive Wechselwirkung zwischen Spiritualität und Lebensqualität belegen.[vi] So forschen der Mediziner E. Frick und Theologe T. Roser gemeinsam an Fragestellungen zur Wirksamkeit von Spiritualität insb. bei den Heilungs- und Gesundungsprozessen onkologischer Patienten.[vii] Hierbei hat sich auch bestätigt, dass vor allem Krankenhäuser als hochspirituelle Orte gelten, da in ihnen viele Prozesse der Krankheitsverarbeitung, des Bangens und Hoffens stattfinden. Befragungen haben ebenfalls gezeigt, dass Familie/Freunde, sowie Beschäftigte in Gesundheitsberufen und auch andere Unterstützer wie Seelsorger und Psychologen zu den häufigsten spirituellen Begleitern bei einer Erkrankung gehören.[viii]

 

 Heilung – von Cure zu Heal

Nicht immer können Mediziner dem Anspruch und der Erwartung gerecht werden, eine (vollständige) medizinische Heilung oder Gesundung zu leisten. Im deutschen Sprachgebrauch ist mit Heilung vordergründig erst einmal die physische Genesung gemeint. Im angloamerikanischen Raum trifft man dagegen auf eine sprachliche Differenzierung die den Fokus auch auf eine mentale Gesundung (u.a. mittels Spiritualität!), trotz physischer Einschränkungen lenkt und zulässt (engl. to heal). Denn es müssen in der medizinischen Realität nicht selten Kompromisse geschlossen werden, bei der sich eine Heilung eher auf emotionaler, denn auf physischer Ebene vollziehen muss[ix], vor allem dann wenn eine Erkrankung nicht vollständig kuriert werden kann und man künftig als Chroniker mit den Folgen, bzw. Begleiterscheinungen der Krankheit umzugehen hat – gemäß des bereits seit Jahrhunderten existenten Leitspruch der Cura Palliativa „Heilen manchmal, lindern oft und trösten immer“. Insofern befindet sich auch das Erleben und Praktizieren von Spiritualität in einem besonderen Prozess des menschlichen Daseins, in der ein Individuum entsprechende Bezugsgrößen braucht und sucht, eng gekoppelt an eine Sinnfindung, um sie dann für sich zur persönlichen Lebensphilosophie (Transzendenz) zu machen. Dies erleichtert den Umgang mit der Krankheit.[x]

 

Hoffnung

Spiritualität ist „jede Erfahrung, bei der Menschen sich mit dem (heiligen) Geheimnis des Lebens in Verbindung wissen, erklärt der Krankenhausseelsorger Erhard Weiher.[xi] Spiritualität erinnert daran, dass Wunder möglich sind, so wie in der Erzählung vom Hauptmann von Kafarnaum im Evangelium nach Matthäus (8,5-13) „Herr, ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst; sprich nur ein Wort, dann wird mein Diener gesund.“ Spiritualität schafft Hoffnung dass es irgendwie weitergeht, auch wenn Situationen ausweglos erscheinen, wie es Dietrich Bonhoeffer in seinem Bekenntnis „von guten Mächten treu und still umgeben“ beschreibt. Spiritualität ist somit ein wichtiges Schutzschild für alles, was den Menschen in seinem Leben an Widrigkeiten ereilen kann und ihm hilft dies zu überstehen.

von Dr. Iris Huth,
Psychoonkologin,
Lehrbeauftragte der FH Düsseldorf,
Sozialwissenschaftlerin,
Fachwirtin für das Sozial- und Gesundheitswesen,
Mediatorin
 

[i] Büssing, A. et al. Spiritualität, Krankheit und Heilung – Bedeutung und Ausdrucksformen der Spiritualität in der Medizin. VAS-Verlag für Akademische Schriften 1/2006, S. 31ff

[ii] Ebd.

[iii] Seit 2010 erstes Studienfach dieser Art an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit Lehrstühlen des Theologen Traugott Roser und des Psychoanalytikers Eckhard Frick, sowie des Mediziners Gian Domenico Borasio.

Frick, E./Roser, T. Spiritualität und Medizin. Gemeinsame Sorge für den kranken Menschen.

[iv] Vgl. www2.evangelisch.de Interview mit Traugott Roser „Man kann nicht nicht spirituell sein.“

[v] Niemz, MH. Sinn- Ein Physiker verknüpft Erkenntnis mit Liebe, Freiburg 2013 S. 45.

[vi] Büssing, A./Kohls, N. (Hrsg.) Spiritualität transdisziplinär. Wissenschaftliche Grundlagen in Zusammenhang mit Gesundheit und Krankheit. Berlin 2011.

[vii] Frick, E./Roser, T. Spiritualität und Medizin. Gemeinsame Sorge für den kranken Menschen. Stuttgart 2011.

[viii] Büssing, A./Kohls, N. (Hrsg.) ebd. 2011, S. 55ff

[ix] Frick, E. Sich heilen lassen. Würzburg 2011, S. 17ff.

[x] Wright, M. Hospice Care and Models of Spirituality, in: European Journal of Palliative Care 11/2004/ Heft 2, S. 75-78.

[xi] Weiher, E. Das Geheimnis des Lebens berühren. Spiritualität bei Krankheit, Sterben, Tod. Eine Grammatik für Helfende. Stuttgart  2008, S. 34.

Blasenkrebs: Strahlentherapie als Alternative zur Radikaloperation beim muskelinvasiven Blasenkrebs

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Eine Strahlentherapie ist bei Patienten mit einem muskelinvasiven Blasenkrebs eine Alternative zur kompletten operativen Entfernung der Harnblase. Dadurch bleiben Patienten die Folgen einer Radikaloperation wie beispielsweise ein künstlicher Harnausgang erspart. Eine organerhaltende Operation in Kombination mit einer Radiochemotherapie wird jetzt auch von der führenden amerikanischen Krebsgesellschaft (ASCO) empfohlen, die damit einer Leitlinie europäischer Urologen folgt. Die schonende Therapie komme hierzulande noch viel zu selten zum Einsatz, kritisiert die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) im Juni 2016.

In Deutschland erkranken jährlich knapp 16 000 Menschen an Blasenkrebs. Bei drei Vierteln der Patienten beschränkt sich der Tumor auf die Schleimhaut. Diese Frühfälle haben gute Heilungsaussichten, denn diese Tumoren können fast immer durch eine Operation über die Harnröhre, eine transurethrale Resektion, entfernt werden. Dabei wird der Tumor mithilfe einer Elektroschlinge abgetragen. Ist der Tumor größer und bereits in die Blasenwand eingedrungen, ist die gängige Behandlung hingegen wesentlich invasiver: In der Regel entfernen die Ärzte die gesamte Blase, was die Lebensqualität der Patienten deutlich beeinträchtigt – denn es müssen dann entweder eine Ersatzblase oder ein künstlicher Harnausgang angelegt werden. „Blasenkrebs gehört zu den strahlenempfindlichen Tumoren, sodass ein Verzicht auf eine Radikaloperation möglich ist“, sagt Professor Dr. med Jürgen Dunst, Direktor der Klinik für Strahlentherapie an der Universität Kiel und Mitglied im DEGRO-Vorstand. „Diese alternative Möglichkeit, den Tumor organerhaltend zu operieren und dann zu bestrahlen, wird in Deutschland leider noch viel zu selten genutzt“, ergänzt Professor Dunst. Er vermutet, dass Ärzte und Patienten unbegründete Ängste gegenüber der Strahlentherapie haben.

Organerhaltende Operationen sind bei anderen Krebserkrankungen wie etwa bei Brustkrebs, Kehlkopfkrebs oder Prostatakrebs seit Längerem üblich. Professor Dunst ist überzeugt, dass die organerhaltende Behandlung in Kombination mit Bestrahlung auch beim Blasenkrebs gleich gute Ergebnisse erzielt wie die radikale Operation. „Zwar sind beide Verfahren bisher nicht in sogenannten randomisierten Studien direkt miteinander verglichen worden. Es gibt aber keinen Hinweis darauf, dass die Radikaloperation besser sein könnte“, so der Experte. Um die Strahlenwirkung bei großen Tumoren zu verbessern, kombinieren die Ärzte die Behandlung mit einer schwachen Chemotherapie. Professor Dunst: „Bei der Radiochemotherapie wird dazu meistens am Beginn und am Ende der Bestrahlung für einige Tage ein Medikament per Infusion verabreicht.“ Der DEGRO-Experte ist überzeugt, dass durch diese Behandlung auf eine Radikaloperation verzichtet werden kann.

Dieser Tage hat die American Society of Clinical Oncology (ASCO) die Empfehlungen der European Association of Urology übernommen und dabei ausdrücklich die organerhaltende Behandlung als eine wichtige Möglichkeit hervorgehoben, über die Patienten als Alternative zur Radikaloperation mit Blasenverlust informiert werden sollten, berichtet Professor Dr. med. Frederik Wenz, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Mannheim. „Die American Society of Clinical Oncology ist weltweit die einflussreichste Krebsgesellschaft, und wir hoffen, dass deren Empfehlungen auch die Ärzte in Deutschland überzeugt“, sagt DEGRO-Pressesprecher Wenz. „Durch die Kombination von organerhaltender Operation plus Radiochemotherapie können drei von vier Patienten ihre eigene Blase mit normaler Blasenfunktion behalten“, so Professor Wenz.

Die moderne Strahlentherapie ist sehr schonend und effektiv. Sie dauert bei Blasenkrebs etwa sechs Wochen. Es wird jeden Tag an allen Werktagen bestrahlt. Pro Tag dauert eine Bestrahlungssitzung etwa zehn Minuten. Die Therapie ist ambulant möglich. In der Klinik werden die Patienten in der Regel nur behandelt, wenn sie gleichzeitig eine Chemotherapie erhalten.

Auch die Verträglichkeit der Strahlentherapie ist heutzutage sehr gut. Gegen Ende der Therapie treten zwar oft vorübergehende leichte Blasen- und Darmreizungen auf. „Schwerwiegende Komplikationen sind aber selten“, versichert Professor Dunst: „Deshalb ist die Strahlentherapie gerade auch bei älteren Patienten mit hohem Operationsrisiko die beste Therapie.“

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e.V. (DEGRO)

Den Menschen therapieren, nicht nur den Tumor – Lebensqualität steht bei Jahreskongress der Strahlentherapeuten im Fokus

Krebspatienten können durch ihre Erkrankung und deren Symptome schwer belastet sein. Doch auch die Therapie des Tumors kann sie zusätzlich beeinträchtigen: Operation, Chemotherapie und Bestrahlung können Nebenwirkungen und Spätfolgen haben, die die Lebensqualität der Betroffenen einschränken. „Der gesundheitliche Preis, den Patienten für Heilung oder Lebensverlängerung zahlen müssen, ist in den vergangenen zwanzig Jahren immer stärker in den Fokus der Medizin gerückt“, sagt Tagungspräsident Professor Dr. med. Frederik Wenz. Auf der 22. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) vom 16. bis 19. Juni 2016 in Mannheim wird die Lebensqualität der Patienten nun ein Schwerpunktthema sein.

Lebensqualität_DEGRO 2016

Die Experten der DEGRO stellen auf ihrer Jahrestagung in Mannheim neue Bestrahlungstechniken und Begleitbehandlungen vor, die zum Erhalt oder zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen. „Lebensqualität ist ein ganzheitlicher Begriff, der nicht nur körperliche Aspekte umfasst, sondern auch psychische und soziale“, sagt Professor Dr. med. Dirk Vordermark, Direktor der Klinik für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Halle (Saale) und Sprecher der DEGRO-Arbeitsgruppe „Lebensqualität und Ethik in der Radioonkologie“.

Ärzte können die Lebensqualität ihrer Patienten jedoch oft nicht richtig einschätzen. So empfinden einige Patienten diese selbst in der Endphase einer unheilbaren Krebserkrankung als gut. Andere, die ihren Krebs bereits überwunden haben und als geheilt gelten, leiden hingegen unter starken Belastungen und Einschränkungen. Als Beispiel nennt Vordermark die Therapie von Prostatatumoren, die oft Inkontinenz oder Impotenz nach sich ziehen kann, oder Sprech- und Schluckstörungen, die durch die Behandlung von Tumoren im Halsbereich entstehen können.

„Lebensqualität ist immer subjektiv“, sagt Dirk Vordermark. „Die Schwierigkeit besteht darin, sie zu objektivieren und messbar zu machen.“ Eine Möglichkeit hierfür bieten standardisierte und auf die jeweilige Krebsart abgestimmte Fragebögen, die von der Quality of Life Group der European Organization for Research and Treatment of Cancer (EORTC) entwickelt wurden.

Mithilfe der Fragebögen schätzen die Patienten selbst ihre Lebensqualität ein. Das Ergebnis ist ein Zahlenwert, der Vergleiche erlaubt. „Wenn die Patienten vor, während und nach der Behandlung befragt werden, können so die Auswirkungen der Therapie auf die Lebensqualität untersucht werden“, erläutert Vordermark. Das sei sowohl bei heilenden, als auch bei palliativen, also lindernden Therapieansätzen wichtig. Ist das Ziel die Heilung, werden kurzfristig auch stärkere Nebenwirkungen in Kauf genommen. Langfristig soll der Patient aber so wenige Einschränkungen wie möglich davontragen. Wird die Strahlentherapie jedoch palliativ eingesetzt, soll sie dazu beitragen, die Lebensqualität rasch zu stabilisieren oder gar zu verbessern.

Wie weit die Lebensqualität des einzelnen Patienten im Klinikalltag mithilfe von Fragebögen erfasst werden kann, wird derzeit in Pilotstudien geprüft. „Solche Rückmeldungen einzuholen ist sehr aufwendig, aber lohnenswert“, sagt Tagungspräsident Wenz, der die Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Mannheim leitet. Denn wenn der Tumor zwar kleiner werde, es dem Patienten aber subjektiv schlechter gehe, sei nicht viel gewonnen.

Die technischen Fortschritte in der Strahlentherapie ermöglichen es heute, den Tumor gezielt zu bestrahlen und zugleich das gesunde Gewebe zu schonen. „Wir haben bereits viel darüber gelernt, welche Therapiekonzepte und welche Strahlendosis zu einer möglichst guten Lebensqualität führen“, erklärt der DEGRO-Experte. „Allerdings müssen wir dieses Wissen weiter ausbauen, sodass die Patienten noch mehr davon profitieren.“

Quelle: DEGRO – Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie e.V.

Junge Menschen mit Krebs erleben eine mehrfache Existenzbedrohung

Pro Jahr erkranken circa 15.000 junge Frauen und Männer im Alter von 18 bis 39 Jahren an Krebs. Dabei werden die jungen Erwachsenen mit weit mehr als den unmittelbaren medizinischen Problemen konfrontiert.

Es entstehen besondere soziale und finanzielle Problemlagen, das Armutsrisiko ist signifikant erhöht. Im Rahmen der 7. Berliner Stiftungswoche diskutierten Mediziner aus dem Bereich der Onkologie, Sozial- und Rehabilitationsmedizin, Politiker aus dem Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages sowie Patientinnen und Patienten unter der Überschrift “Jung, an Krebs erkrankt und von Armut bedroht?“ im ARD-Hauptstadtstudio in Berlin. Darüber hinaus stellte die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs das bundesweit einzigartige “JUNGE KREBSPORTAL” vor.

Junge Menschen mit Krebs erleben eine mehrfache Existenzbedrohung

“Die Krebserkrankung nahm mir die Kontrolle über meine Zukunft”, fasste eine junge Patientin auf der Podiumsdiskussion zum Thema “Jung, an Krebs erkrankt und von Armut bedroht?”der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs Mittwoch (20.4.2016) im ARD-Hauptstadtbüro in Berlin ihre Situation zusammen. “Die diesjährige Stiftungswoche steht unter dem Motto ‘Von der Würde des Menschen’. Warum machen wir mit? Junge Krebspatienten geraten schnell in soziale und finanzielle Schieflagen. Lücken und Härten im Gesundheitssystem, der Abbruch von Ausbildung, Beruf oder Studium – all das kann schnell zu einer tatsächlichen Verarmung führen”, erklärt Prof. Dr. med. Mathias Freund, Kuratoriums-vorsitzender der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs.

Dabei, so Freund, sei Armut nie nur eindimensional. Armut hat existentielle Folgen und kann darüber hinaus aber auch zu sozialer Ausgrenzung führen. “Und wenn wir von Armut sprechen, müssen wir auch von Würde reden”, so Freund weiter.

An der in direkter Nachbarschaft des Bundestages stattfindenden Diskussionsrunde der bundesweit tätigen Stiftung nahmen junge Patientinnen und Patienten, die an Krebs erkrankt sind und mit der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs zusammenarbeiten, sowie Expertinnen und Experten, wie Prof. Dr. med. Mathias Freund, Priv.-Doz. Dr. med. Ulf Seifart, Chefarzt der DRV-Klinik “Sonnenblick” in Marburg, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Stiftung sowie wissenschaftlicher Leiter des Projektes JUNGES KREBSPORTAL der Stiftung und Tino Sorge, MdB, ordentliches Mitglied im Ausschuss Gesundheit des Deutschen Bundestages, Berichterstatter für Gesundheitswirtschaft und Gesundheitsforschung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, teil. Die bekannte Fernsehmoderatorin und Journalistin des Rundfunks Berlin-Brandenburg Britta Elm leitete die Runde. Gemeinsam mit dem Publikum diskutierten deren Teilnehmer über die Verbesserung der Situation von Krebspatientinnen und -patienten dieser speziellen Alterskohorte und zeigten konkrete Lösungsansätze auf.

“Erkrankte sollten sich zunächst ausschließlich ihrer Heilung widmen können und sich nicht Gedanken über soziale und berufliche Stigmatisierung oder wirtschaftliche Schwierigkeiten machen müssen. Dies bedingt verstärkt auch psychoonkologische Betreuungsangebote sowie Unterstützungshilfen, z.B. in berufs-, kranken- und renten-rechtlichen Fragen”, sagt der Bundestagsabgeordnete Sorge und ergänzt: “Gleichzeitig müssen Forschungsanstrengungen, aber auch unsere sozialen Sicherungs- und Informationssysteme, junge Krebserkrankte stärker in den Fokus rücken. Über die psychischen und physischen Belastungen hinaus, stellt eine Krebserkrankung junge Patienten gerade im Hinblick auf die familiäre und berufliche Lebensplanung vor zusätzliche Herausforderungen. Wir brauchen neben einer offensiveren öffentlichen Debatte umfassendere Unterstützungsangebote für diese Patientengruppe.”

Die Diagnose Krebs bedeutet für junge Menschen eine mehrfache existenzielle Bedrohung – nicht nur gesundheitlich, sondern auch finanziell und sozial. Die Auswirkungen der durch die Krebserkrankung erzwungenen Unterbrechung von Ausbildung oder Studium spielen eine sehr große Rolle. Das Bedürfnis, nach der Erkrankung in den Arbeitsmarkt zurückzukehren oder überhaupt erst aufgenommen zu werden, ist immens.

“Wenn man vorher nicht schon ausgebildet war oder gearbeitet hat und damit mindestens zwei Jahre in die Rentenversicherung einzahlte, ist man ziemlich ‘aufgeschmissen’. Und der Weg zurück zu den Eltern fällt vielen schwer – wenn er überhaupt möglich ist. Sollte man vor dem Studium schon in die Rente eingezahlt haben, scheuen sich viele, diese zu beantragen, da bei einem positiven Krankheitsverlauf die Rückkehr in den Arbeitsmarkt deutlich schwieriger ist”, betont ein junger Patient aus eigener Erfahrung.

In der Podiumsdiskussion wurde auch das bundesweit einzigartige JUNGE KREBSPORTAL der Stiftung, das im November 2015 eröffnet wurde, präsentiert. Sozialmedizinerinnen und -mediziner bieten den jungen Betroffenen im Online-Chat, telefonisch oder im persönlichen Gespräch schnelle, unkomplizierte, kompetente und kostenlose Antworten auf Fragen aus ihrem privaten und beruflichen Alltag im Umfeld der Krebserkrankung. “Zu den Problemen und besonderen Bedürfnissen von jungen Erwachsenen mit Krebs gibt es in Deutschland viel zu wenig systematische Untersuchungen. Daher wird die Stiftung hier Pionierarbeit leisten, die Forschung in diesem Bereich fördern und so die überfälligen gesundheitspolitischen Debatten anstoßen. Wir werden konkrete Forderungen aufstellen und so dazu beitragen, bestehende Versorgungslücken zu schließen”, erklärt Freund.

Die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs ist im Juli 2014 von der DGHO – Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V. gegründet worden. Ihre Arbeit ist als gemeinnützig anerkannt und wird ausschließlich aus Spenden finanziert. Junge krebskranke Erwachsene benötigen eine spezielle medizinische Behandlung und Versorgung. Die Stiftung setzt sich für die Verbesserung der Therapiemöglichkeiten und der Nachsorge junger Krebspatientinnen und -patienten ein und ist gleichzeitig Ansprechpartner für Patienten, Angehörige, Wissenschaftler, Unterstützer und die Öffentlichkeit.

Quelle: Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs

Spendenkonto:
Postbank, IBAN: DE57 1001 0010 0834 2261 04
BIC: PBNKDEFF

Gebärmutterhalskrebs: Individualisierte Nachsorge – Molekularer Fingerabdruck überführt erneute Krebsvorstufen

In einer klinischen Beobachtungsstudie untersuchen Wissenschaftler des Universitätsklinikums Jena eine neue Methode zur Nachsorge nach der operativen Entfernung von Krebsvorstufen am Gebärmutterhals. Dabei nutzen sie charakteristische DNA-Stellen, die bei der Verschmelzung des krebsauslösenden humanen Papillomvirus mit dem menschlichen Erbgut entstehen, als individualisierten Biomarker für den Nachweis wiederauftretender Krebsvorstufen. Die ATLAS Biolabs GmbH ist Projektpartner in der multizentrischen Studie, in die ab Mai insgesamt 670 Patientinnen eingeschlossen werden sollen und die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit insgesamt 750.000 Euro gefördert wird.

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In Deutschland werden jährlich etwa 90.000 Frauen wegen Krebsvorstufen am Gebärmutterhals operiert. Ob die von einer langanhaltenden Infektion mit Papilloma-Viren (HPV) verursachte Gewebeveränderung erneut auftritt, wird in der Nachsorge anhand von Zelluntersuchungen und des Tests auf Virus-DNA regelmäßig kontrolliert. Diese finden mit großer Sicherheit eine eventuelle erneute Krebsvorstufe, schlagen aber auch oft Alarm, wenn es sich um eine harmlose HPV-Neuinfektion handelt. Um den Patientinnen diese Verunsicherung und klärende Folgeuntersuchungen ersparen zu können, testen Jenaer Wissenschaftler jetzt in einer klinischen Studie einen molekulargenetischen Nachweis, der zwischen einer HPV-Neuinfektion und Zellveränderungen aufgrund der ursprünglichen Virusinfektion unterscheiden kann.

„Bei der Entstehung von Krebsvorstufen kommt es häufig zur Verschmelzung zwischen dem Virus-Genom und dem menschlichen Erbgut. Diese Virus-Integrationsstellen sind für jeden Infektionsfall einzigartig“, erklärt Prof. Dr. Matthias Dürst von der Universitätsfrauenklinik Jena die wissenschaftlichen Grundlagen des Verfahrens. „Diese charakteristischen Spuren wollen wir wie einen Fingerabdruck nutzen und als molekularen Marker verwenden.“ Der Molekularbiologe leitet die klinische Studie mit deutschlandweit 14 Zentren. In diesen sollen ab Mai 2016 etwa 670 Patientinnen in die Untersuchung aufgenommen werden, denen Krebsvorstufen am Gebärmutterhals entfernt werden mussten.

Molekularer Fingerabdruck als individueller Biomarker

Bei diesen Patientinnen wird als individueller Biomarker die Integrationsstelle der Virus-DNA für die Zellen des entfernten Gewebes bestimmt, also der Fingerabdruck ihrer Krebsvorstufe. Matthias Dürst: „Das wird durch eine hochspezifische Anreicherungsmethode in Verbindung mit einer modernen Hochdurchsatz-Sequenzierung möglich, die am Deutschen Krebsforschungszentrum entwickelt wurde.“

Kooperationspartner hierfür ist die ATLAS Biolabs GmbH in Berlin und Köln. Im Verlauf von zwei Jahren werden dann die Befunde des normalen Nachsorgeprogramms, das die Patientinnen durchlaufen, verglichen mit dem Test auf diesen individuellen Biomarker. Ergibt dieser eine Übereinstimmung zwischen der entfernten Krebsvorstufe und dem Nachsorgeabstrich, so handelt es sich um ein erneutes Auftreten der Erkrankung. Der Nachweis von HPV-DNA ohne passendes Integrationsmuster bedeutet eine Neuinfektion, die zunächst keine weitere operative Abklärung erfordern würde. „Auf diese Weise wollen wir künftig zahlreichen Frauen unnötige Aufregung und Operationen ersparen“, so Prof. Dr. Ingo Runnebaum, Direktor der Universitätsfrauenklinik Jena.

Die Klinik bietet Patientinnen mit Krebsvorstufen eine spezialisierte Dysplasie-Ambulanz an, die als erste in Deutschland von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert wurde. Im vergangenen Jahr wurden hier etwa 1800 Patientinnen betreut, mehr als 170 von ihnen mussten wegen einer schwergradigen Krebsvorstufe des Gebärmutterhalses operativ behandelt werden.

Das auf insgesamt vier Jahre angelegte Studienprojekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit insgesamt 750.000 Euro gefördert. „Unser Ziel ist es, die diagnostische Genauigkeit des neuen molekularen Biomarkers zu belegen und den Test als individualisierte Krebsnachsorgemöglichkeit in der Klinik zu implementieren“, so Professor Dürst. Dr. Karsten R. Heidtke, Forschungsdirektor der ATLAS Biolabs GmbH, ergänzt: „Dank des Technologietransfers und der interdisziplinären Zusammenarbeit können aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zügig in die Laborpraxis umgesetzt werden. Das ist ein vielversprechender Weg, neue innovative HPV-Prüfverfahren zu etablieren und zu erweitern“.

Quelle: Universitätsklinikum Jena

Darmkrebs: EuropaColon nimmt Arbeit als spezialisierte Anlaufstelle und Interessenvertretung für Darmkrebspatienten auf

Mit einem Pressegespräch am 19. April 2016 nimmt EuropaColon Deutschland e. V. seine Tätigkeit als spezialisierte Anlaufstelle und Interessenvertretung von Darmkrebspatienten auf. Der neu gegründete Verein ist die deutsche Tochter der seit zwölf Jahren europaweit aktiven Patientenorganisation EuropaColon, die in 24 Ländern Europas Menschen mit Darmkrebs unterstützt und gegenüber der Gesundheitspolitik für deren Interessen eintritt. Der Verein soll Anlaufstelle für Darmkrebspatienten werden und möchte zu einer besseren, individualisierten
Vorsorge und einer optimalen Behandlung von Darmkrebs in Deutschland beitragen.

160419 Darmkrebs_EuropaColon Deutschland eV nimmt Arbeit auf

Erschreckende Zahlen

Wenn Darmkrebs früh genug erkannt wird, ist er gut zu behandeln. In Deutschland sterben aber jährlich immer noch mehr als 25.000 Menschen an den Folgen der Krankheit und es werden über 62.000 Neuerkrankungen diagnostiziert. Von den Erkrankten in Deutschland sind 15 – 20 % familiär vorbelastet. Für diese Gruppe setzen die Vorsorgeprogramme einfach zu spät an. Viele der Betroffenen erkranken schon lange vor dem 50. Lebensjahr, ab dem die Vorsorge und Früherkennung von den Kassen erstattet wird.

Ein Drittel der Darmkrebspatienten weist zum Zeitpunkt der Erstdiagnose bereits Metastasen auf, meist in der Leber – und auch dort kann sich der Krebs lange Zeit ausbreiten, bevor er Beschwerden verursacht. Diese Metastasen sind nach wie vor schwer zu besiegen, auch wenn heute bereits neue Therapieoptionen teilweise zu beeindruckenden Behandlungserfolgen führen.

Bewusstsein, politischer Wille und konsequentes Handeln
„Seit über zehn Jahren ist es oberstes Ziel von EuropaColon, dass Menschen nicht mehr durch Darmkrebs und seine Folgeerkrankungen sterben und dass die Lebensqualität von Patienten besonders mit fortgeschrittenem Darmkrebs verbessert wird“, sagt Jola Gore-Booth, Gründerin und Geschäftsführerin des europäischen Dachverbandes EuropaColon. Der Verein werde seine Arbeit in Zukunft sukzessive auch auf andere Tumoren des Verdauungstraktes ausweiten.

NOLTE_EuropaColon Wolfram Nolte, 1. Vorsitzender EuropaColon Deutschland e.V.

Deutschland hat gegenüber anderen europäischen Ländern Nachholbedarf. Das betrifft einerseits die eigenverantwortliche Teilnahme an den Vorsorgeprogrammen. Andererseits fehlt aber auch der politische Wille, lange vorliegende Pläne umzusetzen, die Vorsorge schnell und konsequent auf ein organisiertes Screening umzustellen und neue Therapien allen zugänglich zu machen. Vor allem geht es jetzt darum, ein risikoadaptiertes Screening einzuführen und den Menschen mit metastasiertem Darmkrebs den Zugang zu den besten Therapieoptionen zu eröffnen. „Wir arbeiten darauf hin, dass Deutschland nun endlich vom opportunistischen zum organisierten Screening übergeht, um die Bevölkerung effektiver vor der tückischen Krankheit zu schützen“, erläutert Wolfram Nolte, erster Vorsitzende von EuropaColon Deutschland e. V. Da bisher viele Menschen zu spät diagnostiziert würden, bedürften aber auch diejenigen besonderer Hilfe, bei denen der Krebs schon gestreut habe. „Besonders die Patienten, denen nur noch wenige Behandlungsoptionen zur Verfügung stehen, brauchen unsere Unterstützung“, so Nolte. „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit allen, die sich der Prävention von Darmkrebs und der konsequenten Anwendung moderner Therapien gegen die Krankheit und ihre Folgen verpflichtet fühlen.“

„Evidenzbasierte Präzisionsmedizin fördern“

Prof Dr Gabriela Möslein Prof. Dr. Gabriela Möslein, Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirates, Zentrum f. heriditäre Tumorerkrankungen am HELIOS Universitätsklinikum Wuppertal

EuropaColon Deutschland e. V. baut gerade einen wissenschaftlichen Beirat auf, der den Verein fachlich unterstützt und berät. „Wir benötigen neue Konzepte, um die dramatisch wachsende Zahl der in frühen Jahren erkrankenden Patienten ausreichend zu reduzieren. Auch für die familiär vorbelasteten Betroffenen hat unser Gesundheitssystem noch keine effizienten Strukturen aufgebaut“, erläutert Frau Prof. Möslein. „Ebenso müssen wir den Patienten mehr Beachtung schenken, deren Darmkrebs bei der Erstdiagnose schon gestreut hat. Das ist jeder dritte Patient! Ihnen müssen wir alle Therapieoptionen zu gute kommen lassen, die die moderne evidenzbasierte Präzisionsmedizin uns bietet. Zum Beispiel könnten systematische und durchaus preiswerte Tests wie die immunhistochemische Färbung der sogenannten MMR-Gene (Mismatch-Reparatur-Gene) wertvolle Informationen zur optimalen Behandlung liefern.“ Die Kosten-Nutzen-Rechnung ist eindeutig zu Gunsten dieses Vorgehens und der Nutzen für den einzelnen Betroffenen Patienten ist unschätzbar hoch.

Über EuropaColon

EuropaColon hat sich zum Ziel gesetzt, Patienten, Mediziner und Gesundheitspolitik im Kampf gegen Darmkrebs zu vereinen. Der europaweit tätige Verband ist direkte Anlaufstelle für Patienten und setzt sich dafür ein, dass Richtlinien auf EU-Ebene etabliert und auf nationaler Ebene umgesetzt werden. Dazu arbeitet EuropaColon eng mit Unternehmen und anderen Organisationen in ganz Europa zusammen. Die Organisation ist derzeit in 24 Ländern Europas vertreten.

Quelle: EuropaColon Deutschland e.V.
Weitere Infos: http://www.europacolon.de

Hautkrebs: Novartis Pharma startet neues Informationsangebot mit www.leben-mit-hautkrebs.de

Hautkrebs ist eine der häufigsten Krebserkrankungen weltweit.  Allein in Deutschland gibt es jährlich über 263.800 Neuerkrankungen.

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Eine nützliche Informationsquelle zum vielschichtigen Themenspektrum Hautkrebs bietet die neue Website     www.leben-mit-hautkrebs.de. Das Serviceangebot von Novartis Oncology richtet sich an Patienten, Angehörige und Interessierte. Umfangreiche Hintergrundinformationen zur Erkrankung sowie zu Erkennungsmöglichkeiten, Therapieprinzipien und Behandlungsmethoden können Betroffene in verschiedenen Phasen der Erkrankung unterstützen. Als weitere Services stehen beispielsweise praktische Tipps zur Selbstuntersuchung und ein Leitfaden für das Gespräch mit dem behandelnden Arzt zum Download zur Verfügung.

Um Aufmerksamkeit für die Erkrankung und Vorsorge zu schaffen, wurde sogar der Monat Mai zum Hautkrebsmonat ausgerufen. Denn gerade mit Beginn der warmen Jahreszeit zieht es viele ungeschützt in die Sonne, wodurch das Risiko für Hautkrebs steigen kann.

Die gute Nachricht: Die meisten Hautkrebsarten lassen sich gut behandeln. Doch gibt es auch bösartige Hautkrebsvarianten: Das maligne Melanom, auch „schwarzer Hautkrebs“ genannt, stellt die aggressivste Form von Hautkrebs dar und neigt dazu, andere Körperbereiche zu befallen. Die Behandlung vom schwarzen Hautkrebs ist erschwert und die Prognose für den Patienten meist ungünstig.

Hautkrebs verstehen – erkennen – behandeln
„leben-mit-hautkrebs.de“ bündelt Informationen zum Krankheitsbild und liefert Antworten auf häufige Fragen aus Patientensicht. So werden Ursachen und Risikofaktoren, die für die Entstehung von Hautkrebs eine Rolle spielen können, umfassend beleuchtet sowie bewährte Diagnose- und Screeningverfahren allgemeinverständlich vorgestellt. Das verfügbare Behandlungsspektrum wird von operativen Verfahren oder Bestrahlungs- und Chemotherapie bis hin zu modernen, zielgerichteten medikamentösen Therapien differenziert abgebildet. Verlinkungen zu Selbsthilfegruppen oder weiterführenden Informationsquellen inklusive Tipps für die Arztsuche runden das Angebot ab.

Das ABC der Selbstkontrolle: Warnsignale richtig deuten
Je früher Hautkrebs erkannt wird, desto günstiger sind oftmals die Heilungschancen.4 Neben den Vorsorgeuntersuchungen der gesetzlichen Krankenkassen können Patienten selbst einen entscheidenden Beitrag zur Früherkennung von Hautveränderungen leisten. Die ABCDE-Regel5 ist ein bewährtes Instrument, um Auffälligkeiten und erste Warnsignale für ein Melanom zu erfassen und im Gespräch mit dem behandelnden Arzt anzumerken. Darüber hinaus bietet „leben-mit-hautkrebs.de“ eine Checkliste um festzustellen, ob individuelle Hautmerkmale möglicherweise auf ein potenziell erhöhtes Erkrankungsrisiko hindeuten. Die Selbsteinschätzung sollte anschließend gemeinsam mit einem Dermatologen besprochen werden.6
Checkliste zur Selbsteinschätzung des Hautkrebsrisikos für das Gespräch beim Hautarzt
□ Meine Haut bräunt leicht, beim Sonnen habe ich keine Probleme
□ Bei mir kommt es immer schnell zu Sonnenbrand
□ Meine Haut ist blass, ich habe Sommersprossen
□ Ich habe Verwandte mit blasser Haut und Sommersprossen
□ Ich habe so gut wie keine Pigmentmale
□ Ich habe viele Pigmentmale
□ Ich habe Pigmentmale, die seit Jahren unverändert sind
□ Ich habe nur Pigmentmale, die kleiner als zwei Millimeter sind
□ Einige meiner Pigmentmale sind größer als zwei Millimeter
□ Ich habe ein Pigmentmal, das angeboren und größer als zwei Zentimeter ist
□ Ein Pigmentmal ist in letzter Zeit neu entstanden
□ Mit einem meiner Pigmentmale könnte etwas nicht in Ordnung sein

Quelle:  Novartis Pharma GmbH – vom 4. April 2016