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Leberkrebs – Internationale Online-Patientenbefragung

ELPA, die Europäische Leber Patientenorganisation lädt gemeinsam mit weiteren globalen Leberkrebs-Organisationen Betroffene ein, an einer weltweiten Online – Leberkrebs-Patientenbefragung teilzunehmen.

Leberkrebs_Online_Patientenbefragung

Der Onlinefragebogen wurde von einem Wissenschaftlichen Forschungsinstitut in Zusammenarbeit mit den internationalen Leberkrebsgruppen erstellt. Die Ergebnisse der Studie dienen der Verbesserung der Forschungsgrundlage und werden nach ihrer Auswertung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Homepage der Onlinebefragung: www.hcc-voices.com

 

Nebenwirkungsmanagement: Neue Behandlungsleitlinie zu Begleittherapien (Supportivtherapie)

Patienten von heute profitieren mit einem hohen Maß an Lebensqualität durch sogenannte begleitende beziehungsweise unterstützende Therapien die auch Supportivtherapien genannt werden. Waren beispielsweise noch vor wenigen Jahren Übelkeit und Erbrechen im Zusammenhang mit einer Chemotherapie eine der am häufigsten von Patienten gefürchteten Nebenwirkungen, so ist dies inzwischen für Patienten durch eine entsprechende und äußerst effiziente Begleittherapie nur noch selten ein Thema. Doch wirksame Krebstherapien bringen vielfältige Nebenwirkungen mit sich. Eine neue Behandlungsleitlinie versucht nun, Behandlern eine einheitliche Übersicht zu bieten.

S3 Leitlinie_Supportive Therapie

Die mit 558 Seiten überaus umfangreiche und lesenswerte Behandlungsleitlinie ist kostenfrei unter folgender Webseite abrufbar:
http://leitlinienprogramm-onkologie.de/Supportive-Therapie.95.0.html
 

„Unterstützende Maßnahmen machen die Krebsbehandlung verträglicher, verbessern die Lebensqualität der Patienten und stellen sicher, dass eine wirksame Tumortherapie fortgeführt werden kann. Supportive Therapien sind selbstverständliche Bausteine jeglicher Behandlung onkologischer Erkrankungen und ihr sachgerechter Einsatz ist ein Qualitätsmerkmal für eine gute Behandlung – das gilt für Patienten aller Altersgruppen von der Diagnosestellung und der Erstbehandlung bis hin zur palliativen Versorgung“, kommentiert Prof. Dr. Karin Jordan, Onkologin an der Universität Halle und Koordinatorin der neuen Leitlinie. „Die Leitlinie unterstützt Ärzte und andere Berufsgruppen bei der Entscheidung über die optimale Unterstützung mit formal konsentierten, klar verständlichen und nachvollziehbaren Empfehlungen.“ Auf der Grundlage der vorliegenden Leitlinie wird derzeit eine Patientenleitlinie erarbeitet.

Die Arbeitsgemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie, Rehabilitation und Sozialmedizin (ASORS) in der Deutschen Krebsgesellschaft, die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) und die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) möchten mit der Erarbeitung der Leitlinienempfehlungen eine bundesweite Basis für eine Standardisierung wichtiger Themen bei der fachübergreifenden Behandlung der Komplikationen der Krebstherapie und Krebserkrankung legen. Die S3-Leitlinie behandelt auf 558 Seiten zehn Themen aus dem Bereich der supportiven Krebstherapie:

• Anämie (Blutarmut) aufgrund der Tumortherapie
• Neutropenie (Mangel an weißen Blutkörperchen) aufgrund der Tumortherapie
• Übelkeit und Erbrechen aufgrund der Tumortherapie
• Therapiebedingte Durchfälle
• Entzündung der Mundschleimhaut aufgrund der Tumortherapie
• Therapiebedingte Hautproblemen
• Periphere Nervenschädigungen aufgrund der Tumortherapie (Polyneuropathie)
• skelettbezogene Komplikationen (Knochenmetastasen, Knochenbrüche,…)
• Gewebeschädigungen als Komplikation bei einer intravenösen Infusion
• Begleittherapien (supportive Maßnahmen) der Strahlentherapie

 

Quelle:

Pressestelle der Deutschen Krebsgesellschaft e.V.
Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V.
Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie e.V.

 

Onkologische Reha und wie komme ich dahin sowie Reha für junge Erwachsene nach Krebs

Krebsvorsorge – Worauf Frauen achten sollten… – Interview mit Dr. Ashour

ANGST: Die Deutschen fürchten sich am meisten vor Krebs

Sieben von zehn Menschen in Deutschland fürchten sich am meisten vor Krebs. Bei Erwachsenen zwischen 30 und 44 Jahren und Frauen ist die Angst besonders groß. Das zeigt eine aktuelle und repräsentative Studie der DAK-Gesundheit. Ein weiteres zentrales Ergebnis: Das Engagement für die eigene Gesundheit wächst. Immer mehr Menschen gehen zu Vorsorgeuntersuchungen und halten sich mit Sport und gesunder Ernährung fit.

Foto: iStock DAK Gesundheit

Foto: iStock DAK Gesundheit

Seit 2010 untersucht das Forsa-Institut für die Krankenkasse DAK-Gesundheit die Angst der Deutschen vor Krankheiten. Aktuell wurden bundesweit über 1.000 Frauen und Männer befragt. Bei 69 Prozent der Bundesbürger ist die Furcht vor einem bösartigen Tumor am größten – im Vergleich zum Vorjahr ein leichter Anstieg. Vor allem Erwachsenen zwischen 30 und 44 Jahren (77 Prozent) und Frauen (72 Prozent) macht Krebs Angst. Jeder Zweite fürchtet sich vor Alzheimer oder Demenz. Fast genauso viele Menschen (47 Prozent) haben Angst, einen Schlaganfall oder einen Unfall mit schweren Verletzungen (43 Prozent) zu erleiden. Die Furcht vor einem Herzinfarkt kennen vier von zehn Befragten.

Engagement für Gesundheit wächst

Im Vergleich zum Vorjahr engagierten sich die Befragten etwas mehr für ihre Gesundheit. Um Krankheiten vorzubeugen, gehen 56 Prozent zur Krebsvorsorge (2015: 54 Prozent). 46 Prozent nutzen den Gesundheits-Check gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen (2015: 41 Prozent). Auch regelmäßige sportliche Aktivitäten und gesunde Ernährung stehen bei den Deutschen hoch im Kurs (2016: 80 und 77 Prozent vs. 2015: 77 und 71 Prozent). „Es ist gut, dass mehr Menschen ihre Gesundheit aktiv fördern“, kommentiert Hella Thomas, Präventionsexpertin der DAK-Gesundheit. „Als Krankenkasse unterstützen wir sie mit wichtigen Vorsorgeuntersuchungen und einem breit gefächerten Präventionsangebot beim Gesundbleiben.“

Junge Erwachsene haben Angst vor psychischen Erkrankungen

Die DAK-Analyse zeigt außerdem: Die Angst vor psychischen Krankheiten trifft vor allem Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 29 Jahren: 40 Prozent befürchten, an Depressionen und anderen Seelenleiden zu erkranken. Faktisch werden psychische Erkrankungen jedoch bei ältere Menschen deutlich häufiger diagnostiziert als bei jungen Erwachsenen. Die über 60-Jährigen haben aber am wenigsten Angst vor Seelenleiden (21 Prozent).

Gute Gesundheit bei 88 Prozent der Deutschen

Insgesamt schätzen 88 Prozent der Deutschen ihren aktuellen Gesundheitszustand als gut bzw. sehr gut ein. Im Vergleich der Bundesländer und Regionen bewerten die Menschen in Baden-Württemberg mit 92 Prozent ihren Gesundheitszustand als besonders gut. Im Norden sind es nur 85 Prozent.

Vor diesen Krankheiten haben die Deutschen am meisten Angst:

  1. Krebs (69 Prozent)
  2. Alzheimer/Demenz (50 Prozent)
  3. Schlaganfall (47 Prozent)
  4. Unfall mit schweren Verletzungen (43 Prozent)
  5. Herzinfarkt (40 Prozent)
  6. Schwere Augenerkrankung, z.B. Erblindung (34 Prozent)
  7. Psychische Erkrankungen wie Depression (27 Prozent)
  8. Schwere Lungenerkrankung (24 Prozent)
  9. Diabetes (18 Prozent)
  10. Geschlechtskrankheit, wie z.B. Aids (13 Prozent)

*Das Forsa-Institut führte für die DAK-Gesundheit am 17. und 18. Oktober 2016 eine bundesweite und repräsentative Befragung von 1.004 Männern und Frauen durch.

Wie hängen Armut und Krebs zusammen? Interview mit Kirsten Bikowski | Report Mainz | Das Erste

Report Mainz – veröffentlicht am 24. Juni 2015

Aktuelle Entwicklungen in der Krebstherapie wurden von Onkologen im Rahmen ihrer Jahrestagung diskutiert

Die diesjährige Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Fachgesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie stand auch in diesem Jahr unter dem Eindruck der innovativen Diagnosemöglichkeiten und der vielen neuen Arzneimittel, vor allem bei Krebs, aber auch bei nicht bösartigen Blutkrankheiten. Gleichzeitig wird offen über Hemmnisse wie regulatorische Hürden, unzureichende Studien und fehlende Register diskutiert. Der von rund 5.700 teilnehmenden Expertinnen und Experten für medikamentöse Tumortherapie besuchte Kongress bietet eine wichtige Plattform zum Austausch über das neue Wissen und der zeitnahen Umsetzung im Behandlungsalltag.

DGHO_Jahrestagung 2016_LEIPZIG

Paradigmenwechsel: Vom Organ zum System
Mit den modernen Verfahren zur Tumordiagnostik wie dem Next Generation Sequencing oder der „liquid biopsy“, habe man die Wahl und die Steuerung der Behandlung bösartiger Erkrankungen deutlich verbessern können, so Prof. Andreas Hochhaus, diesjähriger Kongresspräsident und Direktor der Abteilung Hämatologie/Internistische Onkologie am Universitätsklinikum Jena. „Die neuen Diagnoseverfahren geben uns die Möglichkeit, die zur Verfügung stehenden innovativen Arzneimittel sehr gezielt einzusetzen.“ Derzeit erlebe die Häma-tologie und Onkologie einen Paradigmenwechsel von der organzentrierten Betrachtungsweise des Krebs hin zu einer organübergreifenden systemischen Perspektive beispielsweise basierend auf bestimmten genetischen Mutationen, die sich in Form verschiedener Tumorentitäten manifestierten. Diese systemische Betrachtungsweise führe auch dazu, dass bei modernen Therapien wie der Immuntherapie, dem organunabhängigen Nebenwirkungsmanagement eine wichtigere Bedeutung zukomme, so Hochhaus weiter.

Zentrale Aspekte der Hämatologie
Der Kongresspräsident warb für eine Besinnung auf die zentralen Aspekte der Hämatologie wie z. B. die Morphologie und die Blutgerinnung, betonte aber gleichsam, dass dies nicht rückwärtsgewandt zu verstehen sei. „Bei aller Wissenszunahme und bei aller Innovationskraft dürfen wir die zentralen Aspekte unseres Faches nicht aus dem ärztlichen Blick verlieren“, so Hochhaus weiter. Hierfür stehe auch das Motto der Jahrestagung ‚Blut ist ein ganz besonderer Saft‘. Der Kongresspräsident betonte, dass diese Entwicklung Hand in Hand mit der Nachwuchsförderung in der Hämatologie und Onkologie gehen müsse. „Die Zukunft unseres Fachgebietes können wir nur mit hochqualifiziertem ärztlichen und wissenschaftlichen Nachwuchs sichern, der den aktuellen Stand des Wissens kennt und die Umsetzung in Diagnose und Therapie im Behandlungsalltag beherrscht. Dabei ist es kein Widerspruch, wenn unsere jungen Kolleginnen und Kollegen auch nach wie vor die Morphologie von Zellen mit Hilfe des klassischen Lichtmikroskops beurteilen können“, so Hochhaus.

Interkulturelle Aspekte der Hämatologie
Im Rahmen der Pressekonferenz verwies Hochhaus auch auf eine aktuelle Problematik. Vor dem Hintergrund des vermehrten Zuzugs von Migrantinnen und Migranten aus südlichen Staaten – beispielsweise aus dem vom Bürgerkrieg betroffenen Syrien – nehmen in Deutschland die Prävalenzen von bestimmten hämatologischen Erkrankungen und Infektionskrankheiten zu. „Wir sehen eine Zunahme der hereditären hämatologischen Erkrankun-gen wie den hämolytischen Anämien, zu denen wir die Thalassämie oder die Sichelzellanämie zählen.“ Solche Phänomene, wie das vermehrte Auftreten von eher seltenen Erkrankungen im ärztlichen Behandlungsalltag, so Hochhaus weiter, sei bei der Ausbildung junger Ärztinnen und Ärzten zu berücksichtigen.

Die medikamentöse Versorgung: Schwächen im System
Dass es in der medikamentösen Therapie von hämatologischen Erkrankungen und soliden Tumoren trotz der großer Innovationen, der Verfügbarkeit vieler neuer Arzneimittel und der damit einhergehenden therapeutischen Erfolge verschiedene Probleme zu lösen gebe, machte Prof. Carsten Bokemeyer, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO und Direktor der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik für den Bereich Onkologie, Hämatologie und Kno-chenmarktransplantation mit Sektion Pneumologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, deutlich. „Als Fachgesellschaft sehen wir derzeit verschiedene Problemfelder:

1. Liefer- und Versorgungsengpässe von etablierten Arzneimitteln in der Hämatologie und Onkologie.
2. Mehrfache Festlegungen des Gemeinsamen Bundesausschusses bei der Bewertung neuer Arzneimittel im Verfahren der Frühen Nutzenbewertung auf ‚Zusatznutzen nicht belegt‘ trotz Überlebensvorteilen.
3. Die Ausschreibung der zentralisierten Lieferung von Zytostatika durch die Krankenkassen.
 
“Mit Blick auf Liefer- und Versorgungsengpässe ging Bokemeyer auf zwei Beispiele ein. So war Melphalan, ein Arzneimittel, das unter anderem essentiell in der Behandlung des Multiplen Myeloms ist, in den letzten Jahren mehrfach nicht lieferbar, so dass in mehr als zehn Behandlungszentren in Deutschland sogar autologe Stammzelltransplantationen bei Myelompatienten verschoben werden mussten. „Wenn Arzneimittel nicht mehr dem Patent-schutz unterliegen, ist die Herstellung für den pharmazeutischen Unternehmer ökonomisch nicht attraktiv. Werden die Arzneimittel wie im Fall von Melphalan weltweit nur noch in einer Produktionsstätte hergestellt, kann es aufgrund von Qualitätsproblemen in der Produktion schnell zu bedrohlichen Liefer- und konsekutiven Versorgungsengpässen kommen, die zu Lasten unserer schwer kranken Patienten gehen“, so der Geschäftsführende Vorsitzende der DGHO. Bei Etopophos, das seit August dieses Jahres nicht mehr lieferbar ist, wurden unter Mitwirkung
der DGHO Empfehlungen zur Verwendung der Restbestände erarbeitet, die den Produkti-onsstopp abmildern sollen. Die Beispiele zeigen aber auch die vielfältigen komplexen Ursa-chen von Lieferengpässen. Die Grundsubstanz von Etopophos wird aus dem Himalaya-Maiapfel gewonnen, der seit kurzer Zeit dem Washingtoner Artenschutzabkommen unter-liegt. Bokemeyer forderte daher die Politik auf, verbindliche Register mit unverzichtbaren Arzneimitteln zu implementieren, eine Vorratshaltung für drei Monate mit Strafandrohung für den Hersteller sicherzustellen und die Möglichkeiten für Arzneimittelimporte bei Versorgungsmängeln zu erleichtern. „Die Sicherstellung der Arzneimittelversorgung ist aus Sicht der DGHO eine ethische Verpflichtung, der Gesetzgeber und auch die pharmazeutischen Unternehmen nachkommen müssen“, so der Geschäftsführende Vorsitzende der DGHO.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Ausschreibungen für die Herstellung und Lieferung von Zytostatika durch von den Krankenkassen zentral ausgewählte Apotheken wies Bokemeyer auf die vielfältigen organisatorischen Probleme wie unterschiedliche Bestellsysteme, ver-schiedene Lieferzeiten und Applikationssysteme u. ä. hin. Dabei sei auch nicht klar, wie eine notwendige Qualitätskontrolle organisiert werden könne. „Die Zubereitung von Zytostatika ist komplex, die räumliche Nähe der Apotheken zu den Kliniken und Praxen ist wichtig, um eine schnelle und sichere Lieferung zu garantieren. Der Wunsch nach Kostenersparnis der Kran-kenkassen ist nachvollziehbar, aber diese Kostenersparnis darf nicht die Versorgungsqualität und die Patientensicherheit gefährden“, so Bokemeyer.
Mit Blick auf die aktuell vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) im Verfahren der Frühen Nutzenbewertung nach AMNOG bei bestimmten Arzneimitteln festgestellten Ergebnisse „kein Zusatznutzen belegt“ stellte Bokemeyer fest: „Der G-BA hat in den aktuellsten Verfahren mehrfach keinen Zusatznutzen festgestellt, obwohl die Arzneimittel zu einer Verlängerung der Überlebenszeit führen. Aus unserer Sicht besteht die Gefahr, dass es in Folge der Entscheidungen des G-BA auf Grundlage der Formel ‚Verlängerung der Überlebenszeit abzüglich Nebenwirklungen = Zusatznutzen nicht belegt‘ zu Fehlentwicklungen kommt und die Gefahr besteht, dass der Zugang zu neuen Arzneimitteln insbesondere für Krebspatienten in schwierigen oder fast aussichtslosen Situationen erschwert wird.“ Bei der Frühen Nutzenbewertung neuer Arzneimittel müssten Endpunkte wie Überlebenszeit gegenüber potenziellen und reversiblen Nebenwirkungen stärker gewichtet werden. Darüber hinaus, so der Geschäftsführende Vorsitzende, müssten der Fokus auf Patientengruppen mit ungedecktem medizinischem Bedarf gelegt werden. „Bei Vorliegen überzeugender Daten zum Ansprechen und zur Verträglichkeit in definierten Subgruppen sollte ein befristeter Zusatznutzen ausge-sprochen werden. Hier können uns unabhängige Register zusätzlich helfen, den Zusatznut-zen in der Versorgungsqualität zu quantifizieren.“
 
Hämatologie und Onkologie im Spannungsfeld der Ökonomie
Prof. Hellmut Samonigg, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (OeGHO) wies auf die Herausforderungen der Behandlung von soli-den Tumoren und hämatologischen Erkrankungen für die Volkswirtschaften der Länder hin. „Durch die Erfolge in der medikamentösen Tumortherapie haben wir bestimmte Entitäten immer besser im Griff und beobachten chronische Verläufe, wo wir bislang nur kurze Überle-benszeiten sahen.“ Darüber hinaus trage der demografische Wandel dazu bei, dass immer mehr Patientinnen und Patienten behandelt werden müssten. „Das sind selbstverständlich alles Entwicklungen, über die wir in der medikamentösen Tumortherapie Tätigen äußerst froh sind. Klar ist aber auch, dass wir uns mit den daraus resultierenden steigenden Kosten für unsere Volkswirtschaften auseinandersetzen müssen.“
 
Quelle: Deutsche Gesellschaft f. Hämatologie und Onkologie (DGHO)

….und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker! – Was kann und darf man als Krebspatient von einer Apotheke erwarten?

Medikationsmanagement

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Apotheker Dr. Christian Fehske von der Internationalen Rathaus Apotheke in Hagen zeigt in einem Gespräch am Rande des Krebsinformationstages auf, was Krebspatienten von einer Zytostatika herstellenden Apotheke erwarten dürfen und kommentiert die derzeitigen Entwicklungen in der Onkologie.

Berufliche Wiedereingliederung nach Krebs – Interview

Interview Bettina Sommer

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Neue innovative Medikamente vom Gemeinsamen Bundesausschuss mehrfach mit “Zusatznutzen nicht belegt” bewertet – Medizinische Fachgesellschaften sehr besorgt über diese Entwicklung

Ob beim Lungenkrebs, chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) oder Dickdarmkrebs: Trotz Verlängerung der Überlebenszeiten wird neuen innovativen Medikamenten der Zusatznutzen durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) in Frage gestellt.

Die DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V. und die Arbeitsgemeinschaft für Internistische Onkologie (AIO) der Deutschen Krebsgesellschaft befürchten, dass diese Tendenz den Zugang zu neuen Arzneimitteln insbesondere für Krebspatienten in schwierigen oder fast aussichtslosen Situationen gefährdet.

160929 DGHO besorgt_Zusatznutzen vom G-BA in Frage gestellt

In den letzten Wochen hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) mehrfach die Festlegung „Zusatznutzen nicht belegt“ für Krebsmedikamente getroffen, obwohl diese die Überlebenszeit der Patienten verlängern. Auch wurde innovativen Präparaten für die chronische lymphatische Leukämie und das Lungenkarzinom kein Zusatznutzen gerade in den Patientengruppen zugesprochen, in denen der höchste, ungedeckte, medizinische Bedarf besteht. 

Die frühe Nutzenbewertung nach dem Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) wurde 2010 mit dem Ziel eingeführt, den Zusatznutzen neuer Arzneimittel als Grundlage der Preisbildung zu verwenden. Das Verfahren ist aufwändig, umfasst Dossiers der pharmazeutischen Unternehmer von 1.000 und mehr Seiten, einen Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bzw. des G-BA und eine Anhörung, an der auch die wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften beteiligt sind. Einer der großen Vorteile des Verfahrens liegt in wertvollen, zusätzlichen Informationen über neue Arzneimittel. Die Nutzenbewertung hat aus Sicht von DGHO und AIO bisher gut funktioniert. Sie muss ein lernendes System bleiben. Allerdings wurden in mehreren Verfahren der letzten Wochen vom G-BA überraschend negative Festlegungen getroffen. Sie sind Anlass, auf eine sich andeutende Fehlentwicklung hinzuweisen.

„Zusatznutzen nicht belegt“ trotz Verlängerung der Überlebenszeit

Bei drei im September 2016 abgeschlossenen Verfahren der frühen Nutzenbewertung (Ramucirumab beim Dickdarmkrebs, Ramucirumab beim Lungenkrebs, Necitumumab beim Lungenkarzinom) führt die Kombination der neuen Antikörper mit konventioneller Chemotherapie in großen randomisierten Studien zu einer signifikanten Verlängerung der mittleren Überlebenszeit, rechnerisch um 14 bis 21 Prozent gegenüber der Chemotherapie allein. Die Gabe dieser Antikörper ist mit Nebenwirkungen belastet, bei Ramucirumab u. a. mit einem stärkeren Abfall der weißen Blutkörperchen als mit Chemotherapie allein, mit Fatigue und mit erhöhtem Blutdruck. Bei Necitumumab tritt vor allem eine Hautreaktion auf.

In der Praxis werden Krebspatienten vor dem Therapiestart ausführlich über den Nutzen und die Nebenwirkungen neuer Arzneimittel aufgeklärt. Der Patient entscheidet, wie wichtig ihm die mögliche Verlängerung der Überlebenszeit gegenüber dem Risiko von Nebenwirkungen ist. Auch nach der Entscheidung für die Therapie mit einem neuen Arzneimittel kann er die Behandlung beim Auftreten belastender Nebenwirkungen jederzeit abbrechen.

Der G-BA hat in den drei Verfahren nicht aus dieser Patientensicht, sondern nach der Formel entschieden:

Verlängerung der Überlebenszeit – Nebenwirkungen = Zusatznutzen nicht belegt

Ähnlich war auch schon das Vorgehen zu Regorafenib beim Dickdarmkrebs im April 2016. Prof. Dr. Carsten Bokemeyer, Geschäftsführender Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie erläutert: „Für viele Patienten ist eine mögliche Verlängerung der Überlebenszeit die dominierende Motivation für eine Krebstherapie. Dafür sind sie auch bereit, Nebenwirkungen zumindest bis zu einem bestimmten Ausmaß in Kauf zu nehmen.“

„Zusatznutzen nicht belegt“ trotz hoher Ansprechraten

Innerhalb bestimmter Krebskrankheiten können heute vielfach Subgruppen – oft auf der Basis molekularer Faktoren – mit besonders ungünstiger Prognose identifiziert werden. Bei der chronischen lymphatischen Leukämie gehören dazu Patienten mit del17p bzw. der TP53 Mutation. Der orale Kinase-Inhibitor Idelalisib führt bei dieser Hochrisikogruppe in Kombination mit Anti-CD20-Antikörper zu Remissionsraten von etwa 80 Prozent sowie einer signifikanten Verlängerung der progressionsfreien und der Gesamtüberlebenszeit. In der Neubewertung des Zusatznutzens von Idelalisib wurde der Subgruppe von Patienten mit del17p bzw. TP53 Mutation kein Zusatznutzen zuerkannt. „Idelalisib ist eine unverzichtbare Behandlungsoption für CLL-Patienten mit 17p- oder TP53 Mutation“, erklärt Prof. Dr. Michael Hallek, Vorsitzender der DGHO Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie und Leiter der deutschen CLL-Studiengruppe.

Eine prognostisch sehr ungünstige Gruppe beim EGFR-mutierten Lungenkarzinom sind Pati-enten mit einer T790M-Mutation. Sie sind resistent gegenüber den sonst hoch wirksamen Tyrosinkinase-Inhibitoren. Der neue Kinase-Inhibitor Osimertinib wirkt gezielt bei dieser vorbehandelten Patientengruppe mit einer Ansprechrate von über 60 Prozent und einer progressionsfreien Überlebenszeit von fast 10 Monaten. Auch Osimertinib wurde in der aktuellen Nutzenbewertung kein Zusatznutzen zugesprochen. „Osimertinib ist eine genau für einen spezifischen Resistenzmechanismus entwickelte Substanz mit hoher klinischer Wirksamkeit und guter Verträglichkeit. Ohne diese Substanz ist die optimale, gezielte Behandlung dieser gut definierten Subgruppe von Patienten mit einer EGFR-Resistenzmutation nicht gegeben“, so Prof. Dr. Martin Reck, Chefarzt des Onkologischen Schwerpunktes der Lungenfachklinik Grosshansdorf und Beisitzer im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft (AIO).

DGHO und AIO plädieren für eine stärker patientenzentrierte Nutzenbewertung neuer Arzneimittel mit höherer Gewichtung von Endpunkten wie Überlebenszeit gegenüber potenziellen, reversiblen Nebenwirkungen. In der Praxis ist es ureigene ärztliche Aufgabe gemeinsam mit dem Patienten die Abwägung von individuell erzieltem Erfolg und individuell auftretender Toxizität kontinuierlich im Behandlungsverlauf neu zu bewerten. Auch plädieren wir für einen Fokus auf Patientengruppen mit ungedecktem, medizinischem Bedarf. Bei Vorliegen überzeugender Daten zum Ansprechen und zur Verträglichkeit sollte ein befristeter Zusatznutzen ausgesprochen werden. Unabhängige Register können helfen, den Zusatznutzen in der Versorgungsrealität zu quantifizieren. Durch die G-BA Festlegung „Zusatznutzen nicht belegt“ werden Patienten und verordnende Ärzte verunsichert mit dem Risiko, dass ein wirksames Präparat gar nicht eingesetzt wird.

Quelle: DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V. sowie Arbeitsgemeinschaft internistische Onkologie (AIO) der Deutschen Krebsgesellschaft e.V.