„Knochenmetastasen können das Leben zur Hölle machen“

Knochenmetastasen sind  Komplikationen, die im Verlauf einer fortgeschrittenen Krebserkrankung auftreten können. Sie sind schmerzhaft und führen häufig zu sogenannten „skelettalen Ereignissen“, die in der englischen Fachsprache als skeletal-related events (SRE) bezeichnet werden. Klinisch können sich diese SRE in starken Schmerzen, Knochenbrüchen, Rückenmarkskompressionen bis hin zur Querschnittslähmung äußern. Eine SRE kann auch die Notwendigkeit eines operativen Eingriffs am Knochen sein. Diese Skelettkomplikationen gehen mit einer verkürzten Überlebenszeit, verlängerten Krankenhausaufenthalten und erhöhten Behandlungskosten einher. Für den Patienten bedeuteten sie vor allem eine Einschränkung ihrer Mobilität bis hin zur Bettlägerigkeit, Verlust der Selbstständigkeit und damit Verschlechterung der Lebensqualität. Patienten mit Knochenmetastasen leiden sehr häufig an Knochenschmerzen. Oberste therapeutische Ziele bei Knochenmetastasen sind die Reduktion der Schmerzen und der skelettalen Komplikationen.

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Diese SRE sowie deren modernen Behandlungsmöglichkeiten standen im Mittelpunkt eines Vortrags von Prof. Dr. Ingo Diel, einer der führenden Experten auf dem Gebiet des Knochenstoffwechsel bei Krebserkrankungen (Osteoonkologie) im Rahmen des Münchener Fachpresseworkshops im Sommer 2014. Häufig sind Knochenschmerzen das erste Symptom bei Knochenmetastasen, erklärte Diel den anwesenden Pressevertretern.

Fünf Tumorentitäten sind für ca. 90% der Knochenmetastasen verantwortlich. Besonders häufig treten Knochenmetastasen bei Brustkrebs, Prostatakrebs, Lungenkrebs, Nierenkrebs und Schilddrüsenkrebs auf. Die jährlichen Neuerkrankungszahlen liegen in Deutschland bei ca. 150.000 Patienten pro Jahr, sagte Prof. Diel. Durch eine optimale Behandlung kann das Auftreten einer skelettalen Komplikation verringert oder verzögert werden. „Das Behandlungsziel ist in dem Fall nicht die Verlängerung des Überlebens. Ziel ist es, möglichst wenig Zeit mit skelettalen Komplikationen leben zu müssen, also eine Verlängerung der symptomfreien Zeit“, berichtete Prof. Dr. Diel.

Das oberste Behandlungsprinzip sei die Kenntnis und der Einsatz aller therapeutischen Möglichkeiten. Die optimale Behandlung der Knochenmetastasen schließt NSARs (nichtsteroidale Antirheumatika) bei geringen Schmerzen sowie Opioide und Opiate bei starken Schmerzen ein, des Weiteren Radionuklide, die Radiotherapie als Standard auch bei Schädigungen ohne erkennbare Symptome (asymptomatischen Läsionen), Operationen bei lokaler Begrenzung und Knochenbruchgefahr sowie gegen die Knochenzerstörung gerichtete (antiosteolytische) Therapie mit Bisphosphonaten und Denosumab.

Denosumab ist ein voll humaner monoklonaler Antikörper und verlängert deutlich die Zeit bis zur ersten Knochenkomplikation. In drei randomisierten, Placebo-kontrollierten Phase-III-Zulassungsstudien mit insgesamt mehr als 5.700 Patienten mit Knochenmetastasen wurden Denosumab plus Scheinmedikament (Placebo) im Vergleich zu Zoledronsäure plus Placebo verglichen. Die Zeit bis zur ersten skelettbezogenen Komplikation wurde in der mit Denosumab behandelten Gruppe um 8,2 Monate deutlich verlängert, was einer Risikosenkung um 17% entspricht. Es traten insgesamt weniger Knochenbezogene Nebenwirkungen unter Denosumab auf, wobei die Zeit bis zum Auftreten der ersten wie auch ersten und folgenden Komplikationen unabhängig vom Typus der Komplikation und auch unabhängig vom Tumortyp verzögert wurde.

Knochenschmerzen gehen einher mit eingeschränkter Lebensqualität, mit Immobilität, Krankenhausaufenthalten und Arztbesuchen. Somit kann mit einer Schmerzprävention die Lebensqualität erhalten bleiben, wie auch eine Analyse der Denosumab-Zulassungsstudien zeigte. Die Zeit bis zum Auftreten moderater oder starker Schmerzen bei Patienten mit leichten oder ohne Schmerzen (0-4) zu Studienbeginn betrug im Mittel 5,8 Monate unter Zoledronsäure im Vergleich zu 9,7 Monate unter Denosumab. Dies ist nicht ganz eine Verdopplung der Zeit.

Prof. Diel wies in der anschließenden Diskussion darauf hin, dass der Calciumgehalt im Blut während der Behandlung mit Denosumab vom Arzt sorgfältig beobachtet werden solle und sprach sich dafür aus, zusätzlich Kalzium und Vitamin D zu verabreichen.

Wo eine Wirkung ist, da kann auch eine unerwünschte Nebenwirkung auftreten. Daher sollten Patienten, die mit Substanzen gegen Knochenmetastasen behandelt werden, auf  veränderte Körperwahrnehmungen achten, wie beispielsweise neu auftretenden Schmerzen am Skelettsystem, Hautveränderungen, Empfindungsstörungen an Händen und Füßen, Muskelkrämpfe oder ständige Müdigkeit. Treten solche Symptome auf, so sollten sie unmittelbar dem behandelnden Arzt mitgeteilt werden.

 

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