Europäischer Krebskongress in Stockholm

Krebsmagazin – Ausgabe Februar 2012

Onkologen und andere Krebsexperten aus mehr als 120 Ländern informierten sich.
Im September 2012 fand mit mehr als 16.000 Teilnehmern der Europäische Krebskongress in Stockholm statt. In mehr als 2.000 Präsentationen informierten sich Onkologen und andere Krebsexperten aus mehr als 120 Ländern.

EURECCA Studie macht länderspezifische Behandlungsstrategien vergleichbar.
Dr. Colette van den Broek von der Universität Leiden aus den Niederlanden gab einen Einblick in die EURECCA Studie des Europäischen Krebsregisters. Diese von der Europäischen Krebsgesellschaft ECCO durchgeführte Untersuchung vergleicht die Behandlungsmethoden von 6.597 Patienten, die in den Jahren 2008 und 2009 in Schweden, Norwegen, Dänemark und den Niederlanden an einem Rektumkarzinom (Darmkrebs) erkrankten. Die Forscher stellten bei Ihrer Arbeit fest, das es enorme Unterschiede bei den Behandlungsstandards gibt.

Bei der Anwendung der Strahlentherapie, die Gabe von Chemotherapie oder beidem war beispielsweise mit 25 % aller erkrankten Patienten Dänemark am geringsten, gefolgt von Norwegen mit 50%, Schweden mit 61 % und die Niederlande mit 81 Prozent  aller Patienten, die eine Bestrahlung, Chemotherapie oder beides erhielten. Unterschiedliche Länder haben unterschiedliche Behandlungsleitlinien, diese vergleichbar zu machen ist das Ziel der Studie. Professor Dr. Michael Baumann von der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie des Universitätsklinikums Dresden, der 2011 auch Präsident der Europäischen Krebsgesellschaft ECCO war, sagte zu den Ergebnissen: „Krebsexperten wissen, das sich die Behandlungspraxis in Europa deutlich unterscheiden und hierfür gebe es auch viele Gründe wie beispielsweise regionale Erfahrungen und Kompetenzen oder verfügbare Infrastruktur. Eine sorgfältige Analyse und Vergleichbarkeit der Behandlungsergebnisse unterschiedlicher Behandlungsmethoden ermögliche es, künftig Unzulänglichkeiten und Methodenmängel besser zu erkennen.

Kleinere und kürzere Studien sollen Krebstherapie verbessern.
Mit dem Beginn der personalisierten Medizin sollen künftig kleinere, kürzere und unter vereinfachten Studienbedingungen bessere Langzeitüberlebensraten in der Krebsmedizin erreicht werden. Durch das zunehmende Wissen im Bereich der Tumorbiologie wurden in den zurückliegenden Jahren die häufigsten Tumore mehr und mehr erforscht und insbesondere auf kleine spezifische molekulargenetische Abweichungen hin untersucht. Diese Chromosomenfehler können wiederum Ziele neuer spezifischer Therapien und Wirkstoffe sein. Bei der Vielzahl an neuen medikamentösen Therapieansätzen sei es erforderlich, Patientengruppen so zu bestimmen, das diese bezogen auf ihre genetischen Eigenschaften vorausgewählt werden. So durchgeführte Studien lassen sich effizienter durchführen. Betrachte man die vielen neuen zielgerichteten Ansätze neuer Krebsmedikamente so lasse sich feststellen, dass diese sicherer in der Anwendung seien als die bisherigen für die Patienten zumeist belastenden zytotoxischen Chemotherapien.

Infusion einer Hoch-Dosis-Chemotherapie direkt in die Leber bei
Metastasen eines Melanoms des Auges (Ocular bzw. Uveal Melanome)
verbessert krankheitsfreies Überleben der Patienten

Melanome in den Augen entwickeln häufig Lebermetastasen. Tritt dieses Ereignis ein, besteht für die betroffenen Patienten kaum eine effektive Behandlungsmöglichkeit mehr. Ihre Überlebenszeit ist auf zwei bis vier Monate begrenzt und nur einer von zehn Patienten lebt noch nach einem Jahr. Prof. Dr. James Pingpank vom Cancer Institut der Universität Pittsburgh stellte eine neue Phase III Studie vor, die zeigte, das eine neue Behandlungsmöglichkeit das krankheitsfreie Intervall von 1,6 Monaten in der Kontrollgruppe auf 6,1 Monate in der PHP Gruppe („percutaneous hepatic Perfusion“) deutlich ausweitete, aber auch die Gesamtüberlebenszeit verlängerte sich von 9,9 Monaten in der Best Alternativ Care Gruppe auf 11,4 Monate in der PHP Gruppe. Bei der neuen Behandlungsmethode PHP, wird das Chemotherapeutikum Melphalan mit Hilfe eines in die Leber führenden Katheters für einen Zeitraum von 30 Minuten gespritzt. Das Blut, das von der Leber kommend in den Venen fließt wird mit Hilfe eines speziell entwickelten Doppel-Ballon-Katheters abgefangen und gefiltert bevor das Medikament in die Leber gegeben und später das gereinigte Blut wieder in den Körper zurück gelangt. Das Medikament gelangt direkt in die Leber wo es die Melanom Metastasen angreift. Diese halbstündige und minimal invasive Therapie wird im Rhythmus von vier bis acht Wochen wiederholt und die Patienten können nach einer kurzen Intensivmedizinischen Nachbeobachtung nach Hause entlassen werden.

 

Weitere Highlights des Kongresses:

„Frauen mit Brustkrebs wechseln häufiger als vermutet im Krankheitsverlauf ihren Hormonstatus. Bei einem Rückfall bzw. Fortschreiten der Erkrankung sollte daher künftig erneut der Hormonstatus festgestellt werden“. Dr. Linda Lindström, Karolinska Institut in Stockholm

„Abiraterone Azetat“ verbessert die Fatigue bei Patienten beim metastasierten kastrationsresistenten Prostatakrebs.“ COU-AA-301 Studie. Vorgestellt von Dr. Cora Sternberg San Camillo und Forlanini Hospital, Rom „Frauen nach den Wechseljahren mit einem Hormonrezeptor positiven Mammakarzinom in einem frühen Stadium, die nach einer Brustkrebs-OP fünf Jahre Letrozol erhielten, hatten ein 18 % reduziertes Rückfallrisiko und 21 % reduziertes Sterberisiko als diejenigen die Tamoxifen erhielten“ BIG 1-98 Studie. Vorgestellt von Prof. Dr. Richard Gelber, IBCSG International Breast Cancer Study Group und Dana-Farber Cancer Institute, Boston, USA.

Auch unter Berücksichtigung von Zweiterkrankungen sowie ihres Allgemeinzustandes erliegen ältere Brustkrebspatientinnen häufiger Ihren Erkrankungen, da sie keine Standardtherapie erhalten und häufig nicht ausreichend therapiert bleiben. TEAM Studie, vorgestellt von Prof. Dr. Christos Markopoulos, Athens University Medical School, Griechenland

Frauen nach den Wechseljahren mit einem fortgeschrittenen Mammakarzinom, die bislang eine Hormontherapie mit Exemestane erhielten und deren Tumor nicht mehr auf eine Hormontherapie anspricht, können durch eine Kombination der Medikamente Exemestan und Everolimus die Zeit bis zum fortschreiten ihrer Erkrankung um 7 Monate im Vergleich zur Kontrollgruppe verlängern. BOLERO 2 Studie, vorgestellt von Prof. José Baselga, Massachusetts General Hospital und Harvard Medical School, Boston

Zoledronsäure reduziert das Risiko des Wiederauftretens von Brustkrebs für Patientinnen nach den Wechseljahren AZURE Studie, vorgestellt von Prof. Dr. Robert Coleman, Weston Park Hospital, Sheffield, Großbritannien

Radium-223 Chloride – verbessert die Gesamtüberlebenszeit bei Patienten mit fortgeschrittenem und Hormontherapie resistenten Prostatakrebs mit Knochenmetastasen. Patienten die in der Studie Radium-223 Chloride verabreicht bekamen, hatten eine um 30 % geringer Sterberate gegenüber Patienten die ein Scheinmedikament (Placebo) erhalten hatten und lebten 14 Monate im Vergleich zu 11,2 Monaten in der Placebo Gruppe. ALSYMPCA Studie vorgestellt von Dr. Chris Parker, Royal Marsden Hospital, London

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