Rückfallrisiko bei Brustkrebs mit Bisphosphonat senken
Dr. Florian Schütz Frauenklinik, Universitäts- klinikum Heidelberg
Dezember 2008
Warum sollten Frauen mit Brustkrebs auch nach der Operation noch Medikamente einnehmen? Der operative Eingriff entfernt den Primärtumor. Dass aber einzelne Tumorzellen im Körper verbleiben, kann auch mit modernen Operationsmethoden nicht ausgeschlossen werden. Viele der 57.000 Frauen, bei denen jährlich in Deutschland Brustkrebs diagnostiziert wird, haben aus diesem Grund Angst, dass der Krebs wiederkehren kann. Um das Risiko einer erneuten Krebserkrankung zu minimieren, empfiehlt sich eine langfristige medikamentöse Therapie. Für die Patientin sind die einfache Einnahme und die gute Verträglichkeit der Medikamente von großer Bedeutung, um wieder in ein normales Leben zurückzufinden.
Neben Chemo-, Antikörper- und Hormontherapie gibt es für Frauen nach der Operation jetzt eine neue Therapieoption, um das Rückfallrisiko zu senken. Zoledronsäure, ein wirksames Bisphosphonat, wird seit Jahren erfolgreich zum Schutz des Knochens bei Osteoporose und Knochenmetastasen eingesetzt. So können Frakturen und Wirbelsäulenkompressionen reduziert werden. Die Studienärzte um Professor Michael Gnant (Universität Wien) fanden nun heraus, dass das Medikament offenbar auch einen direkten Anti-Tumor- Effekt hat und bei Frauen vor den Wechseljahren das Wiederauftreten und Fortschreiten des Brustkrebses verhindern kann.
Wie wurde das nachgewiesen? An der so genannten ABCSG-12-Studie (ABCSG = Österreichische Brustkrebs- und Darmkrebs-Studiengruppe) nahmen über 1.800 Patientinnen mit hormonrezeptorpositivem Mammakarzinom teil, die vor Eintritt der Wechseljahre an Brustkrebs im frühen Stadium erkrankten. Die Studiendaten zeigen, dass bei diesen Frauen ein deutlich geringeres Rückfallrisiko bestand, wenn sie nach der Operation und einer 3-jährigen Hormontherapie zusätzlich Zoledronsäure erhielten. Insgesamt halbierte sich das Risiko des erneuten Auftretens des Karzinoms in der erkrankten Brust durch die zusätzliche Therapie mit dem Bisphosphonat von 20 auf 10 Prozent. Das Rückfallrisiko sowie das Risiko an der Erkrankung zu versterben reduzierte sich um 36 Prozent gegenüber den Patientinnen, die zwar operiert wurden und mit Hormontherapie behandelt wurden, jedoch keine Zoledronsäure bekamen.
Was sind die Vorteile für die jungen Patientinnen? Hervorzuheben ist die einfache Einnahme, denn in der ABCSG-12-Studie wurde Zoledronsäure nur zweimal jährlich mit einer mindestens 15-minütigen Infusion gegeben. Die Patientinnen müssen also nur zweimal zusätzlich in die Klinik oder Praxis. Ein wichtiges Argument dafür ist auch das gute Nebenwirkungsprofil: So blieb durch das Bisphosphonat die Knochendichte im Gegensatz zu den nicht behandelten Patienten unbeeinträchtigt. Gerade jungen Frauen vor der Menopause könnte die Anti-Tumor-Behandlung mit Zoledronsäure helfen, auch nach der Diagnose Krebs ein selbst bestimmtes Leben zu führen und etwas gegen ihre Brustkrebserkrankung zu tun. Für diese Brustkrebspatientinnen bedeuten die neuen Daten Hoffnung, dass sie dem Rückfallrisiko aktiv vorbeugen können.