RapidArc - Neueste Entwicklung der Strahlentherapie startet in Deutschland
Nachdem der Patient auf dem Bestrahlungstisch positioniert ist, beginnt der CT die Lage des Patienten sowie seiner Organe zu kontrollieren und die Bestrahlung hieran anzupassen. Im Verlauf der Bestrahlung des Patienten kreist dann der Linearbeschleuniger um den Patienten (sh. blauen Kopf des Linearbeschleunigers unterhalb des Tisches).
Februar 2009
Von der Prostatakrebs-Selbsthilfegruppe Nordhausen und Umgebung Insbesondere für Prostatakrebspatienten kann es im Rahmen der herkömmlichen, dreidimensionalen konformalen Strahlentherapie durch die Nähe von Harnblase oder Schließmuskel zum Bestrahlungsgebiet des Tumors zu unangenehmen Nebenwirkungen kommen. Mit der Entwicklung und Einführung der intensitätsmodulierten Radiotherapie (IMRT) ist es in den vergangenen Jahren gelungen, sicher sehr hohe Strahlendosen gezielt in den Tumor zu leiten, ohne dass benachbartes gesundes Gewebe oder dicht anliegende Risikoorgane beeinträchtigt werden.
Gerade Hochrisikopatienten bringt die IMRT Bestrahlung eine Verdoppelung der Heilungsraten, durch die gesteigerte Dosis und damit eine drastische Reduzierung der Rezidive (Wiederauftreten oder Fortschreiten der Krebserkrankung).
Dieser enorme Fortschritt im Vergleich zur konventionellen dreidimensionalen Bestrahlung war und ist jedoch bislang mit einem enormen Aufwand für Patienten und durchführende Einrichtungen verbunden. Für viele Prostatakrebs Erkrankte galt jedoch der Hinweis auf die Existenz und die Möglichkeit zu einer IMRT Behandlung als dankenswerter „Geheimtip“, denn welcher Patient kennt bei Diagnosestellung schon mögliche effektive und innovative Behandlungsformen, sowie Einrichtungen, in denen eine Behandlung erfolgen kann.
Im Südharz-Krankenhaus in Nordhausen wurde nun im Dezember 2008 als erste Deutsche Klinik mit dem Start der neuen „RapidArc“-Bestrahlung ein neues Zeitalter der Strahlentherapie eingeleitet. Seit Mai 2008 haben Kliniken in den Vereinigten Staaten, Dänemark, Niederlande, Schweiz, Frankreich, Großbritannien und Italien mit der Einführung von „RapidArc“ begonnen. Die Nordhäuser Klinik ist nun die erste ihrer Art, die in Deutschland diese innovative Bestrahlung anbietet. Dabei macht sich die Klinik für Radioonkologie ihre seit nunmehr acht Jahren gesammelten Erfahrungen beim Einsatz der IMRT zu nutze.
Großer Andrang herrschte bei der Demonstration und Auswertung der Untersuchungsergebnisse (Foto: ch)
Die öffentliche Aufmerksamkeit ist natürlich groß, entsprechend viele Interessierte waren zum Start der neuen Therapieform nach Nordhausen gekommen, Gäste aus ganz Deutschland sowie dem Ausland, allen voran Prof. Dr. Dagmar Schipanski, Präsidentin des Thüringer Landtages und Präsidentin der Deutschen Krebshilfe e.V., um sich über diese neueste Form der Strahlentherapie aus erster Hand zu informieren.
Kennzeichnend für die neue „RapidArc“-Bestrahlung ist, dass sie nach dem Prinzip der IMRT Bestrahlungsform arbeitet und die Bestrahlung nun während einer Drehung des Bestrahlungsgerätes (Linearbeschleunigers) um den Patienten herum erfolgt. Dies verkürzt die Behandlungszeit und erleichtert Patienten, während der verkürzten Bestrahlungsdauer ruhig zu liegen.
Auch können durch die Drehung des Linearbeschleunigers hohe Dosen in den Tumor gegeben werden. Im Zentrum des „Tumorbettes“ kommt es in Folge der drehenden Bewegung zu einer starken Bündelung und Überschneidung der Strahlen, die zu einer hohen und damit effektiven Dosis im Tumorgewebe führt. Während der Rotation (Umdrehung = arc) des Linearbeschleunigers um den Patienten, sowie die ständige Veränderung der Strahlendosis (Modulation) durch die Geschwindigkeit (Geschwindigkeit = Rapid) der Drehung um den Patienten ebenso wie die Bewegung der im Kopf der Linearbeschleunigers befindlichen Bleilamellen, bleiben gesundes, angrenzendes Gewebe, sowie Risikoorgane in der Nähe des Tumors geschont. Dies führt zu einer Reduktion der therapiebedingten Nebenwirkungen.
Hohe Strahlendosen erfordern jedoch auch eine optimierte Präzision. Im Gegensatz zu den immer noch in vielen strahlentherapeutischen Einrichtungen üblichen Röntgenbildern, ist bei der „RapidArc“- Bestrahlung ein Computertomograph (CT) im Linearbeschleuniger integriert. Mit dessen Hilfe können die Lage des „Tumorbettes“ sowie die der Risikoorgane vor Beginn einer jeden Bestrahlung exakt neu erfasst und an jede Bestrahlung neu angepasst werden.
Prof. Dr. Dagmar Schipanski ließ es sich nicht nehmen, sich die RapidArc Technologie von Dr. Wolfgang Oehler erläutern zu lassen. (Foto: ch)
Aufgrund des hohen mit der IMRT-Behandlung verbundenen Aufwandes und vor allem der langen Zeitdauer für die Durchführung einer Behandlung, haben sich jedoch viele Strahlentherapeuten und Krankenhäuser in den vergangenen Jahren bei der Neuanschaffung von Bestrahlungsgeräten nur zögerlich für IMRT entschließen können, da betriebswirtschaftliche Belastungsgrenzen bei der IMRT-Bestrahlung gegenüber der herkömmlichen dreidimensionalen konformalen Bestrahlung häufig überschritten werden.
„RapidArc“ bietet Patienten den Vorteil einer Präzisionsstrahlentherapie, die gleichzeitig kürzer durchführbar und damit auch leichter ertragbar wird. Da ein Mensch im Durchschnitt nur circa zehn Minuten ruhig liegen kann, bevor er sich zu bewegen beginnt, wird die Belastung auf ein erträgliches Maß reduziert. Bei der „RapidArc“- Bestrahlung werden statt durchschnittlich neun Minuten nur noch vier Minuten für eine Behandlung benötigt: Zwei Minuten für die exakte Lagerung und Positionierung des Patienten via Kontrollabgleich mit dem Computertomographen, weitere zwei Minuten für die eigentliche Bestrahlung. Dies bedeutet für Kliniken, dass sie in gleicher Zeit, mehr Patienten behandeln können und damit auch betriebswirtschaftliche Vorteile erzielen. Schon jetzt entwickelt sich die Nachfrage nach „RapidArc“ äußerst positiv, so dass in den nächsten Monaten bereits weitere Kliniken in Deutschland mit dem Einsatz der innovativen Technologie starten. Über den Ablauf und die Behandlung mit RapidArc bei ausgewählten Tumorerkrankungen wird das Krebsmagazin in den folgenden Ausgaben ebenso berichten wie über neue Behandlungszentren.