Lokale minimal-invasive Behandlung / Radiofrequenzablation (RFA)
PD Dr. Timm Kirchhoff, Medizinische Hochschule Hannover
Dr. Christoph Beil, Henriettenstiftung, Hannover
Patient in der Computertomographie während der RFABehandlung in Vollnarkose.
Februar 2009 Tumore sind mit zunehmendem Alter eine häufige Erkrankung, jeder vierte Mensch in Deutschland stirbt heute an einem bösartigen Tumor. Typische Eigenschaften eines bösartigen Tumors sind sein rasches zerstörerisches Wachstum und seine Neigung Tochtergeschwülste (Metastasen) zu bilden. Vor der Behandlung eines Tumors müssen zunächst dessen Ausdehnung, das Vorhandensein von Metastasen, sowie ein möglicher Befall von Lymphknoten bestimmt werden. Dies erfolgt durch bildgebende Verfahren wie CT, MRT und Ultraschall (TNMStaging). Die traditionellen Verfahren in der Tumorbehandlung sind die chirurgische Entfernung im Rahmen einer Operation, die medikamentöse Behandlung (Chemotherapie) oder die Bestrahlung des Tumors von außen (Strahlentherapie): Ist ein Tumor auf eine Körperregion beschränkt, so wird üblicherweise die komplette offene operative Entfernung über einen größeren Hautschnitt angestrebt. Haben sich bereits Metastasen gebildet, setzen Ärzte häufig eine Chemotherapie zur Behandlung des gesamten Organismus ein (systemische Chemotherapie). Kann ein Tumor aufgrund seiner Größe oder seiner Lage nicht komplett operativ entfernt werden, erfolgt in einigen Fällen eine nachfolgende Bestrahlung. Neben diesen bewährten Verfahren haben sich neuartige sog. minimal-invasive Verfahren in den letzten Jahren zunehmend etabliert, die sowohl für eine Behandlung von Primärtumoren als auch von Metastasen geeignet sind. Diese Verfahren ermöglichen eine bildgesteuerte Tumorbehandlung über einen sehr kleinen Zugang, üblicherweise über eine Punktionsnadel. Hierüber können z.B. Chemotherapeutika oder sehr kleine radioaktive Partikel direkt in den Tumor oder in tumorversorgende Gefäße eingebracht werden. Weiterhin ist es möglich, den Tumor durch Hitze direkt zu zerstören (lokale Thermoablation). Man kann, um den Tumor noch wirkungsvoller zu bekämpfen, in manchen Fällen verschiedene minimal-invasive Verfahren miteinander kombinieren. Warum bieten sich diese neuen minimal-invasiven Verfahren bei der Tumorbekämpfung an? Sie ermöglichen eine Behandlung des Tumors unter weitgehender Schonung des übrigen Organismus, da sie keine größeren Eingriffe erfordern. Der Patient wird in seiner Lebensqualität meist nur gering beeinträchtigt und kann das Krankenhaus rasch wieder verlassen. Insbesondere im fortgeschrittenen Alter, bei angegriffenem Allgemeinzustand oder bei Begleiterkrankungen, die eine größere Operation oder eine aggressive Chemotherapie nicht zulassen, bieten sich diese lokal ablativen Verfahren als Behandlungsoption an.
Computertomographiebilder der Zerstörung eines Lebertumors durch Erhitzen mit der RFA-Sonde: Einliegende Sonde in der Leber während der RFA (links), zerstörter Lebertumor nach der RFA (rechts).
Exemplarisch soll im Folgenden die Methode der Radiofrequenz- Ablation (RFA) geschildert werden, die das derzeit am häufigsten eingesetzte thermoablative Verfahren ist. Mit einem elektrischen Generator wird außerhalb des Körpers ein Hochfrequenz-Wechselstrom erzeugt, der über ein Kabel und eine lange Nadel (Sonde) bildgesteuert durch die Haut direkt in das Zentrum des Tumor geleitet wird, und dort das Gewebe in einem Umkreis von mehreren Zentimetern um die Sondenspitze erwärmt. Im Tumor werden Temperaturen von 70 – 90°C erreicht, das bösartige Gewebe wird regelrecht „verkocht“ und der Tumor dadurch dauerhaft zerstört. Das Verfahren kann in örtlicher Betäubung oder auch in Vollnarkose durchgeführt werden, sodass der Patient die Behandlung nicht spürt. Der Vorgang der „Verkochung“ dauert 10 – 60 Minuten. Die abgestorbenen Tumorzellen werden vom körpereigenen Abwehrsystem allmählich abgebaut. Nach und nach entsteht so eine Narbe im behandelten Organ. Im Rahmen einer RFA-Maßnahme können Ärzte durchaus fünf oder mehr Tumore behandeln. Um eine komplette Zerstörung des Tumors zu gewährleisten, sollte die Größe der einzelnen Geschwülste jedoch einen Durchmesser von etwa fünf Zentimetern nicht überschreiten. Üblicherweise müssen die Patienten nur wenige Tage im Krankenhaus bleiben. Bei Bedarf kann die Behandlung mehrfach wiederholt werden. Die RFA ist ein risikoarmes minimal-invasives Verfahren. Trotz größter Sorgfalt kann es allerdings, wie bei allen Therapien, zu Nebenwirkungen und Komplikationen kommen. Häufige Nebenwirkungen sind geringfügige Schmerzen. Bei größeren Tumoren kann es durch das Absterben der Tumorzellen zu Fieber kommen. Manchmal entsteht ein vorübergehender Bluterguss an der Einstichstelle. Diese Beschwerden halten im Allgemeinen nur wenige Tage an. Schwere Komplikationen sind selten.
Welche Tumoren sind mit der RFA behandelbar? Prinzipiell alle Lebertumoren, solange diese nicht deutlich größer als fünf Zentimeter sind und durch eine Punktion erreicht werden können. Neben lebereigenen Tumoren wie dem hepatozellulären Karzinom (HCC) oder dem Gallengangskarzinom (CCC) siedeln sich auch Darmkrebs-Metastasen bevorzugt in der Leber an. Eine komplette operative Entfernung dieser Lebermetastasen ist nur in etwa 30 Prozent der Fälle möglich, sodass auch hier die RFA das Überleben verlängern oder auch eine komplette Heilung ermöglichen kann.
Neben der Leber ist die Lunge der zweithäufigste Ort, an dem Metastasen absiedeln. Hier, wie auch bei Tumoren in der Niere oder im Knochen kommt die RFA zur Anwendung, sofern die Tumoren noch nicht zu groß sind und keine Metastasen gebildet haben.
Bei den lokal ablativen Therapieverfahren wie der RFA handelt es sich um individuelle Therapien, bei denen im Rahmen von Einzelfallentscheidungen unter Einschluss aller beteiligten Disziplinen (Radiologie, Chirurgie, Onkologie) in Konferenzen (Tumor-Boards) ein optimales therapeutisches Vorgehen für den Patienten gewählt wird. Der Erfolg der Behandlung wird in definierten Zeitabständen mittels Schnittbildverfahren (CT, MRT) kontrolliert. In den Tagen nach der Behandlung wird überprüft, ob eine komplette Ablation des Tumors erreicht wurde. Danach erfolgen Kontrollen in drei- bis sechs monatigen Intervallen, gegebenenfalls kann eine Wiederholung der Therapie zeitnah erfolgen. Bisherige klinische Erfahrungen und Studien mit der RFA, insbesondere an Leber, Lunge, Knochen und Nieren sind vielversprechend und in ihren Ergebnissen mit der offenen operativen Entfernung der Tumoren vergleichbar. Weitere klinische Untersuchungen sind jedoch erforderlich, um den langfristigen Erfolg dieser Methode zu belegen.
Fazit: Neben den etablierten Verfahren in der Tumorbehandlung wie Chirurgie, Chemotherapie und Strahlentherapie sind heute neuartige bildgesteuerte Verfahren wie die RFA zur lokalen Tumortherapie verschiedener Körperregionen verfügbar, die eine schonende minimal-invasive Behandlung ermöglichen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in einer engmaschigen Abstimmung der Behandlungskonzepte mit dem Patienten und den beteiligten unterschiedlichen ärztlichen Disziplinen.