Kopf-Hals-Tumore - Seit 30 Jahren erstmals wieder Hoffnung für Patienten mit Kopf-Hals-Krebs
Prof. Dr. Joachim H.
Hartlapp, Herausgeber
Krebsmagazin,
Paracelsus Klinik
Osnabrück
Tabak und Alkohol sind die Hauptrisikofaktoren für Kopf-Hals-Krebs. Zusammen konsumiert haben beide sogar einen sich gegenseitig verstärkenden Effekt.
Februar 2009 Unter dem Begriff Kopf-Hals-Krebs wird eine Vielzahl verschiedener Krebserkrankungen zusammengefasst, die den Kopf- und den Halsbereich betreffen. Dabei unterscheidet man zum Beispiel Krebs an Zunge, Lippe, Mundboden, des Nasen-Rachen-Raumes und des Kehlkopfes. Gerade diese Erkrankungsbereiche sind für die Betroffenen ganz besonders belastend: Der Krebs und die damit einhergehenden Entstellungen sind für jedermann sichtbar.
Die Beschwerden, die Kopf-Hals-Krebs verursacht, hängen davon ab, wo genau der Krebs entsteht. Sie können sehr vielfältig sein: Verhärtungen oder Schwellungen im Gesicht, eine nicht heilende Verletzung im Mundbereich, Nasenbluten, erschwerte Nasenatmung, Verlust des Riechvermögens, Schwerhörigkeit, Schluckbeschwerden und eine anhaltende Heiserkeit ohne erkennbare Ursachen. So vielfältig die Beschwerden sind, so schwierig ist es eine eindeutige Diagnose zu erstellen. Deshalb sollten Beschwerden dieser Art sofort von einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt abgeklärt werden. Denn wie bei allen Krebsformen gilt auch hier: Die Chance auf Heilung ist umso größer, je früher der Krebs erkannt und behandelt wird.
Allein in Europa erkranken jährlich etwa 140.000 Menschen an Kopf-Hals-Krebs. Über die Hälfte der Patienten entwickeln Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Organen oder nach einer Operation einen neuen Tumor an der gleichen Stelle (Rezidiv). In diesem Stadium ist eine Heilung leider nur in seltenen Fällen möglich. Bisher erhielten diese Patienten eine Strahlen- und / oder Chemotherapie. Die Chemotherapie konnte jedoch im Gegensatz zur Strahlentherapie zwar die Beschwerden lindern, das Überleben jedoch nur geringgradig verlängern.
Im hinteren Bereich der Zunge beginnt die Erkrankung mit einer Krebsvorstufe, so wie beispielsweise dieser so genannte Leukoplakie.
Ab sofort steht für diese Patienten mit dem Antikörper Cetuximab in Kombination mit einer Chemotherapie eine neue Therapiemöglichkeit zur Verfügung. Der Antikörper zählt zu den zielgerichteten Therapien und kam bisher bei lokal fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren in Kombination mit einer Strahlentherapie zum Einsatz. Anders als eine Chemo- oder Strahlentherapie greift der Antikörper die Krebszelle zielgenau an. Er besetzt bestimmte Wachstumsfaktor- Bindungsstellen, den so genannten EGFR (epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor), auf der Zelloberfläche des Tumors und verhindert so, dass ein Signal zum Weiterwachsen erzeugt werden kann. Die Teilung und somit das Wachstum der Krebszellen können gestoppt werden. Bei Kopf-Hals-Krebs besitzen nahezu alle Krebszellen diese Wachstumsfaktor- Rezeptoren. Eine große internationale Studie diente als Grundlage für die neue Zulassung des Antikörpers Cetuximab, in Kombination mit einer Chemotherapie. Es konnte gezeigt werden, dass durch die Kombination deutlich mehr Patienten von der Therapie profitieren und dass das Überleben im Durchschnitt um fast drei Monate auf über zehn Monate verlängert werden konnte. Damit wurde in dieser Studie der erste bedeutende Fortschritt in der Behandlung von Kopf-Hals-Krebs seit 30 Jahren beobachtet.