Fortschritte in der Prostatakrebstherapie durch Forschung – notwendig und möglich 
 Günter Feick
 Vorsitzender des Bundes-
 verbandes Prostatakrebs
 Selbsthilfe e. V.
 
 
Dezember 2008
Besonderer Forschungsbedarf existiert, solange in jedem Jahr noch immer 12.000 Männer an dieser Erkrankung versterben trotz aller Therapieanstrengungen. Handlungsbedarf existiert auch für Forschung zum Erhalt der Lebensqualität. Für die Früherkennung sind präzisere diagnostische Verfahren unabdingbar, um die Formen und Stadien des Prostatakrebses unterscheiden zu können, welche einer sofortigen Therapie oder aber zunächst nur einer kontrollierten Beobachtung bedürfen. Ebenso wichtig ist engagierte Forschung zur Entstehung und Prävention des Prostatakrebses.

Fortschritte in der Behandlung des Prostatakrebses durch Forschung – aber wie?
Wir müssen uns auf Ziele zuerst verständigen. Diese danach in der praktischen Arbeit umzusetzen, wird am besten gelingen durch fachübergreifende Kooperationen. Der gute Wille für zielgerichtete, integrierte Forschung ist hörbar im Gespräch mit Medizinern und Grundlagenforschern. Der DGU-Präsident, Professor Horsch formuliert hierzu –„Fortschritte bei der Behandlung urologischer Krankheiten werden wir nur dann erzielen können, wenn wir die Grundlagenforschung verstärken, den Genetiker, den Molekularbiologen und auch die angrenzenden Fachspezialisten als Teamarbeiter gewinnen können“. Dem schließt sich der BPS an und wird für die Umsetzung dieser Erfolg versprechenden Organisation der Prostatakrebs Forschung arbeiten.

Sind Prioritäten zu bestimmen?
Das ist auch eine Frage nach den vorhandenen Ressourcen und der Zahl notwendiger Forschungsprojekte. Ebenso ist es eine Frage nach Selbstverständnis und Willen der Forscher – ob sie sich in ein Forschungsprogramm mit verabredeten Zielen einbinden lassen. Es gilt eine Methode zu finden, die selbst bestimmtes Forschen und Auftragsforschung für die Klinik klug miteinander verbindet. Keinesfalls ist eine Situation hilfreich, in der Forscher die Fragestellungen der Kliniker nicht kennen und umgekehrt der Kliniker die vorhandenen Forschungskapazitäten nicht nutzen. Eine weitere Kardinalfrage ist, für welches Stadium der Erkrankung sollte die Forschung ihre Bemühungen am meisten verstärken? Um hierauf eine Antwort zu finden, können die heutigen Therapien und ihre Ergebnisse zu Rate gezogen werden. Das sind die Ergebnisse – nahezu 70% aller Patienten werden mit den heutigen Therapieformen erfolgreich behandelt. Etwa 30 % der Patienten können nicht erfolgreich behandelt werden und für sie besteht ein besonderer Forschungsbedarf. Dieser sollte sich in der Gewichtung und Organisation von Forschungsprojekten widerspiegeln.

 
Wie ist Prostatakrebs Forschung heute organisiert und wie wird sie leistungsfähiger?

Das vorgenannte Zitat von Professor Horsch gibt hierauf eine grundsätzliche Antwort. Dieser Richtungsweisung folgend notwendige Strukturen aufzubauen, wird den deutschen Urologen Erkenntnis und Enthusiasmus abverlangen. Erste, erkennbar gute Schritte wurden gemacht. Das Ressorts Forschung der DGU, geleitet von Professor Wullich, wird personell verstärkt. Ebenfalls wichtig war eine Bilanzierung urologischer Forschung während des Symposiums der Reinhard-Nagel-Stiftung* und das entschlossene Eintreten seiner Teilnehmer für verstärkte Forschung. Mut machend sind ebenfalls die existierenden Forschungskooperationen der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf/ Martini-Klinik mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum und die Verbundforschung des Deutschen Prostatakarzinomkonsortiums. Diesen Beispielen müssen viele weitere folgen, um die von den Patienten sehnlich erhofften Ergebnisse zu erzielen. Damit Ärzten mehr Zeit für Forschung bleibt, ist ihre administrative Unterstützung durch zusätzliche medizinisch technische Mitarbeiter notwendig. Es ist eine Verschwendung von Können und Kapital, wenn heutzutage Ärzte neben der Patientenversorgung und der Forschung auch noch deren Verwaltung und Mittelbeschaffung bewältigen müssen. Zu empfehlen ist auch eine Beteiligung der Patienten an der Forschung. Ihre Prioritäten zu kennen und ihre Beobachtungen zu nutzen, sollte selbstverständlich sein. Anerkennend zu erwähnen, ist in diesem Zusammenhang die HAROW Studie, die von der Stiftung Männergesundheit getragen wird. Diese Studie befragt auch die Patienten zu ihrer Zufriedenheit mit Therapien, zu ihrer Lebensqualität und zu den Nebenwirkungen von Behandlungen.

Die Finanzierung
Bis zum Jahr 2006 wurde in die klinische Forschung des Prostatakrebses jährlich 1 Millionen Euro investiert. In den USA waren es ca. 400 Millionen Euro pro Jahr. Die Wirtschaftskraft der beiden Länder berücksichtigend, hätte das einer jährlichen Forschungsförderung von ca. 88 Millionen Euro in Deutschland entsprochen. Der wunde Punkt hierbei ist, es lag nicht an einem Mangel an Geld in Deutschland. Es lag an zu wenigen Forschungsinitiativen, die den Förderungskriterien entsprechen konnten. Eine Verbesserung dieser Situation ist möglich. Der BPS versteht sich als Interessenvertreter aller von Prostatakrebs betroffenen Männer und wird alles in seinen Kräften Mögliche tun, damit eine Verstärkung der Prostatakrebs Forschung erfolgen wird. Wir werden mit Ärzten, ihren Fachgesellschaften, Grundlagenforschern und mit den Institutionen des Gesundheitssystems zusammenarbeiten, damit die Prostatakrebs Forschung in Deutschland uns Patienten und den nach uns Kommenden bessere Therapiemöglichkeiten eröffnen kann.


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Rubrik: Aktuell 2008
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