AML (Akute myeloische Leukämie) – Neues Medikament verlängert deutlich Überlebenszeit

AML Neues Medikament Midastaurin mit deutlich verlängerten Überlebenszahlen

Ein internationales Konsortium hat unter deutscher Beteiligung – unter anderem mit Wissenschaftlern von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) – erfolgreich eine neue Therapie zur Behandlung der Akuten myeloischen Leukämie (AML) entwickelt. Mit dem Einsatz des Medikaments Midostaurin zusätzlich zur standardgemäßen Behandlung kann das durchschnittliche Gesamtüberleben von AML-Patienten mit einer speziellen Genmutation – des FLT3-Gens – von 25,6 Monaten auf 74,7 Monate verlängert werden. Von der MHH sind Professor Dr. Arnold Ganser und Professor Dr. Jürgen Krauter (Chefarzt der Klinik f. Hämatologie und Onkologie am Klinikum Braunschweig) Koautoren. “Die Studie ist deshalb so wichtig, weil sie nach vielen Jahrzehnten erstmals wieder zu einer Neuzulassung eines Medikamentes für jüngere Patienten mit AML geführt hat”, sagt Professor Ganser, Direktor der Klinik für Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie und Stammzelltransplantation. Dieses Medikament wird für jeden dritten Patienten mit AML den Behandlungserfolg deutlich verbessern. Die Ergebnisse sind in der Online-Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift New England Journal of Medicine veröffentlicht (June 23, 2017; DOI: 10.1056/NEJMoa1614359). Midostaurin ist kein Chemotherapeutikum, sondern gehört zur Gruppe der molekular wirkenden Medikamente, die gezielt genetische Veränderungen in den Tumorzellen ausnutzen. Es ist vom Bakterium Streptomyces staurosporeus abgeleitet, das die Teilung der leukämischen Zellen verhindert, indem es die Weiterleitung von Signalen, unter anderem des Wachstumsfaktors FLT3 aber auch anderer Kinasen, blockiert. Um Midostaurin einsetzen zu können, müssen die Leukämiezellen bestimmte Mutationen in einem ganz bestimmten Gen, dem FLT3-Gen, aufweisen. Dies wird vor Beginn der Therapie getestet. “Bei etwa einem Drittel der AML-Patienten lassen sich diese spezifischen FLT3-Mutationen nachweisen und gezielt für die Therapie ausnutzen”, erklärt Professor Ganser. “An der MHH besteht eines der weltweit acht Labore, in denen im Rahmen der Studie Patientenzellen auf diese genetischen Veränderungen geprüft wurden.” Dazu werden im Hämatologisch-molekulargenetischen Labor der MHH-Klinik von Professor Ganser unter der Leitung von Professor Dr. Michael Heuser und Privatdozentin Dr. Felicitas Thol die Tumorzellen auf eine Vielzahl von Mutationen (Veränderungen) getestet, um die jeweils beste Therapie zu identifizieren.

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Prof. Dr. Arnold Ganser (links) im Gespräch mit Privatdozentin Felicitas Thol und Prof. Dr. Michael Heuser

Die Amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat Ende April Midostaurin in Kombination mit der herkömmlichen Chemotherapie zur Behandlung der AML zugelassen, die Schweiz wenige Tage später. Die Zulassung für die übrigen europäischen Länder durch die EMA (European Medicines Agency) wird wohl noch in diesem Jahr erfolgen. “Für uns bedeutet es einen großen Erfolg in der klinischen Forschung zum Wohle der Patienten”, betont Professor Ganser.

Quelle: MHH Medizinische Hochschule Hannover vom 4. Juli 2017

Abstract der Studiendaten im “The NEW ENGLAND JOURNAL of MEDICINE” -
http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1614359#t=abstract

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