| Archiv |     Ausgabe 03/2002

Patientenforum   
 
Lutz Postawka, Chefredakteur
Brustkrebszentren - Für und Wider eines neuen Modells

Die im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen von der Düsseldorfer Landesregierung geplante Umsetzung sogenannter Brustkrebszentren hat Kontroversen bei Betroffenen, Medizinern und anderen an der Versorgung von Brustkrebspatientinnen Beteiligter ausgelöst. Die Befürworter sehen eine deutlich bessere und standardisierte Versorgung dieser Patientinnen, die Gegner befürchten vor allem eine wohnortferne und damit therapieerschwerende Versorgung von Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind.

Zum Hintergrund: das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium plant eine schrittweise Verringerung derjenigen Krankenhäuser und Kliniken, die Brustkrebstumoren operieren dürfen. In Zukunft sollen nur noch Kliniken als sogenannte Brustkrebszentren vom Land Nordrhein-Westfalen anerkannt werden, die jährlich mindestens 150 Brustkrebsoperationen durchführen. Jeder Chirurg, der an einem solchen Brustkrebszentrum operieren darf, muss pro Jahr mindestens 50 Operationen vornehmen.

Das Ministerium verspricht sich durch diese Maßnahme eine bessere Versorgung der Patientinnen, da nur erfahrene und routinierte Chirurgen Brusttumoren operieren dürften. Des weiteren sieht man in der Konzentration auf solche Brustkrebszentren eine bessere psychologische Betreuung und nachoperative Versorgung der Patientinnen. Die Pläne der nordrhein-westfälische Landesregierung hätten am Ende ihrer Umsetzung die Verringerung der zurzeit 250 Kliniken, in den Brustkrebspatientinnen behandelt werden, auf nur noch 50 zur Folge.

Die Reduzierung um 80% hat jedoch notwendigerweise zur Konsequenz, dass viele Patientinnen nicht mehr wohnortnah versorgt werden könnten, da die sogenannten Brustkrebszentren in Nordrhein-Westfalen vor allem in den großen städtischen Zentren liegen würden. Alle Patientinnen, die nicht im unmittelbaren Einzugsgebiet dieser Zentren wohnen, müssten einen Klinikaufenthalt bzw. eine Nachversorgung (Strahlen- oder Chemotherapie) weit entfernt von ihrem Wohnort in Kauf nehmen. Die während der stationären und ggf. ambulanten Behandlung zweifelsohne für die jeweilige Patientin so wichtige Begleitung durch Angehörige und Freunde wäre dadurch erheblich erschwert bzw. in Einzelfällen unmöglich - so das Hauptargument der Gegner. Auch wird von den Kritikern des neuen Behandlungs- und Versorgungskonzeptes angeführt, dass an zwangläufig größeren Versorgungszentren für Patientinnen, die an Brustkrebs erkrankt sind, längere Wartezeiten und Anonymität herrschen könnten.

Der starke Kostendruck im Gesundheitsbereich im Allgemeinen wie in der Behandlung von Krebserkrankungen im Besonderen ist zweifelsohne mit einer der wichtigsten Gründe, die das Land Nordrhein-Westfalen als erstes in Deutschland zur Umsetzung dieser Pläne bewegen.

In der Zukunft bleibt abzuwarten, wie sich die Versorgung von Brustkrebspatientinnen tatsächlich verändert. Die nordrhein-westfälischen Pläne stellen hierbei nicht nur ein Pilotprojekt in Bezug auf andere Bundesländer, sondern auch auf die Behandlung anderer Krebsarten dar. (lp)