Therapie & Forsch.   
 Neue antihormonelle Therapiemöglichkeiten bei Brustkrebs

Anfang September tagte in Freiburg die Deutsche Gesellschaft für Senologie. Sie widmet sich der interdisziplinären Zusammenarbeit von Ärzten und Wissenschaftlern verschiedener medizinischer Fachgebiete zu Erkrankungen der weiblichen Brust. Der Kongress stand diesmal ganz im Zeichen der häufigsten Krebserkrankung der Frau – Brustkrebs.

Experten aller Fachrichtungen diskutierten die interessanten neuen Ergebnisse aktueller Studien im Bereich der adjuvanten, also der frühen Brustkrebsbehandlung. Zwar gilt das Antiöstrogen Tamoxifen noch als Standardmedikament nach der Operation für die Behandlung von Frauen mit Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs nach den Wechseljahren. Diese bewährte Substanz hat jedoch auch Nebenwirkungen. Wegen dieser Nebenwirkungen, vor allem aber wegen der größeren Wirksamkeit, werden zunehmend Anti-Aromatase-Wirkstoffe eingesetzt, die neue Möglichkeiten für die antihormonelle Behandlung des frühen Brustkrebs bieten.

Auch nach den Wechseljahren produzieren Frauen noch Östrogene, wenn auch in viel geringeren Mengen und außerhalb der Eierstöcke, zum Beispiel im Fettgewebe und in der Leber. Da das Enzym Aromatase im Körper für die Östrogenbildung verantwortlich ist, kann die Östrogenbildung durch einen Anti-Aromatase-Wirkstoff gehemmt werden, um den hormonabhängigen Brustkrebs zu bekämpfen. Die bekanntesten Wirkstoffe sind Anastrozol, Letrozol und Exemestan. Während die ersten beiden die Aromatase hemmen, inaktiviert Exemestan mit seiner hormonähnlichen Struktur die Aromatase. Allen Anti-Aromatase-Wirkstoffen gemeinsam ist, dass sie das krankheitsfreie Überleben gegenüber Tamoxifen verlängern, dass sie das Risiko eines Brustkrebs bei der zweiten Brust und das Risiko der Streuung des Brustkrebs in andere Körperregionen verringern.

Gute Wirksamkeit gibt es jedoch nicht ohne Nebenwirkung: Die Substanzen erhöhen das Risiko einer Osteoporose bzw. von Knochenbrüchen – außer möglicherweise Exemestan. Die ATAC-Studie1 zeigte, dass Anastrozol das krankheitsfreie Überleben im direkten Vergleich mit Tamoxifen verbessert. Eine vorläufige Analyse ergab, dass Frauen mit vorausgegangener Chemotherapie oder positivem Lymphknotenbefund, also Risikopatientinnen, nicht signifikant profitierten. Auf Basis dieser Studie ist Anastrozol zugelassen für die Therapie des frühen Brustkrebs, wenn Kontraindikationen für Tamoxifen vorliegen (erhöhtes Risiko für Veränderungen der Gebärmutter oder Gefäßverschluss). Die Untersuchung von Letrozol in der MA.17-Studie2 als Folgetherapie nach 5 Jahren Tamoxifen – verglichen mit Plazebo – ergab, dass eine Behandlungsverlängerung einen Gesamtüberlebensvorteil ergibt, der jedoch nur in der Gruppe der Frauen mit Lymphknoten-positivem Befund signifikant war. Besonders interessant sind die Ergebnisse der IES 031 Studie.3 Hier wurde die Therapie mit Exemestan, eingesetzt nach 2-3 Jahren Tamoxifen, verglichen mit einer Fortsetzung der Tamoxifenbehandlung bis zu fünf Jahren. Wie eine aktuelle Veröffentlichung belegt, haben Frauen nach einer primären Brustkrebserkrankung eine vielfach höhere Chance, dass der Krebs nicht wieder ausbricht, wenn sie nach zwei oder drei Jahren von Tamoxifen auf Exemestan umgestellt werden. Die AGO (Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie) bewertet die Umstellung auf Exemstan in ihren aktuellen Leitlinien4 als empfehlenswerte Möglichkeit. Dafür spricht auch, dass das Osteoporose-Risiko sowie das Risiko vermehrter Knochenbrüche für Frauen mit gesunder Knochendichte bei einer Behandlung mit Exemestan offenbar nicht erhöht wird.