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 ASCO-Highlights 2003

Die American Society Cancer Organization (ASCO) hat auf ihrem diesjährigen Kongress in Chicago verschiedene herausragende Arbeiten präsentiert, die sicherlich Einfluss auf die Therapie von Krebspatienten nehmen werden, auch wenn wirtschaftliche Zwänge des deutschen Gesundheitssystems eine direkte Umsetzung der neuen Erkenntnisse behindern dürften.

Früherkennung von Brustkrebs
Zwei von drei Studien, die sich mit der Früherkennung von Brustkrebs bei Frauen mit familiärem Risiko beschäftigen, sollen hier kurz vorgestellt werden.

In der größten dieser drei Studien haben niederländische Forscher 1.905 Frauen, die mit einem erhöhten familiären oder genetischen Risiko behaftet waren, mittels klinischer (körperlicher) Untersuchung, per Mammografie oder Kernspintomografie untersucht. Während der nachfolgenden 2 Jahre wurden 40 Brustkrebserkrankungen gefunden. Knapp die Hälfte der Tumoren (46%) wies eine maximale Größe von 1 cm auf, und 77% der Patientinnen hatten tumorfreie Lymphknoten, so dass die Kriterien einer wirklichen Früherkennung erfüllt waren. Allein durch die körperliche (klinische) Untersuchung wurden 16% der Tumoren erkannt, wohingegen die Mammografie 36% der Tumoren aufdeckte. Die Kernspintomografie hingegen war bei 71% der gefundenen Brustkrebserkrankungen diagnostisch hilfreich.

Trotz einer höheren Rate von falsch positiven Ergebnissen bei der Kernspintomografie kamen die Forscher zu dem Schluss, dass mehr Tumoren in heilbaren Stadien durch diese Diagnosemethode festgestellt werden und dass sie bei Frauen, die ein erhöhtes familiäres Risiko für Brustkrebs aufweisen, eine wirksame Methode darstellt, die Zahl der Todesfälle durch Brustkrebs zu reduzieren.

Außerdem empfehlen die Autoren dieser Studie die routinemäßige Kernspintomografie ergänzend zur Mammografie insbesondere bei Frauen mit bewiesener BRCA1 und BRCA2-Gen-Veränderung, da diese Frauen einen üblicherweise sehr schnell wachsenden Tumor entwickeln können und die Erkrankung bei jungen Frauen sehr häufig auftritt, wo die Mammografie die niedrigste diagnostische Treffgenauigkeit aufweist.

Eine deutsche Arbeitsgruppe untersuchte insgesamt 462 Frauen, die entweder eine BRCA1 oder BRCA2Mutation aufwiesen oder aufgrund eines erhöhten familiären Brustkrebsrisikos mögliche Trägerinnen dieser Gen-Veränderungen waren. Die Frauen wurden einmal jährlich mittels klinischer Brustuntersuchung, Mammografie, hochauflösendem Ultraschall oder Kernspintomografie untersucht. In den folgenden 5 Jahren wurden 51 Brustkrebsdiagnosen bei 45 Patientinnen gestellt. 25% davon wurden durch klinische Untersuchungen erkannt. Die Kernspintomografie zeigte mit 96% der gefundenen Brustkrebserkrankungen die höchste Diagnoseempfindlichkeit, wohingegen nur 42,8% durch die Mammografie und 47% durch Ultraschall entdeckt wurden. Die Arbeitsgruppe der Studie kommt zu dem Schluss, dass die Kernspintomografie die Routinemammografie bei Frauen mit hohem familiärem Risiko ersetzen sollte, insbesondere dann, wenn die BRCA-Mutation nachgewiesen wurde.

Behandlung von Tumoren des Dick- und Enddarms

Zur ergänzenden Therapie nach operativer Entfernung von Dick- und Enddarmtumoren wurde eine internationale Studie vorgestellt, die die Kombinationstherapie Folinsäure mit 5-Fluorouracil und Oxaliplatin im Vergleich zur Standardbehandlung mit Folinsäure und Fluorouracil allein bei 2.248 Patienten aus 20 Ländern verglich. Es wurden dabei nachoperativ Dick- und Enddarmtumoren im Stadium II oder III behandelt. Nach drei Jahren lebten krankheitsfrei noch 78% der Gruppe, die mit der Kombinationstherapie behandelt worden war, gegenüber 73%, die die Standardtherapie erhalten hatten. Für Patienten des Tumorstadiums III wurde sogar ein krankheitsfreier Überlebensunterschied von 6,5% zugunsten der Kombinationstherapie ermittelt, wohingegen der Unterschied bei Stadium-II-Patienten mit 3% nicht so bedeutend war.

Für das Gesamtüberleben wird der bisherige Beobachtungszeitraum von den Wissenschaftlern als zu kurz beschrieben, wobei jedoch die Tendenz der bisherigen Ergebnisse darauf hindeutet, dass die Kombinationstherapie zum neuen Standard der adjuvanten (ergänzenden Therapie nach Operation) Therapie des Dickund Enddarmkrebses werden könnte.

Lungenkrebs

Zwei Studien zur Behandlung des Lungenkrebses verdienen besondere Beachtung.

Für Patienten mit Lungenkrebs und Lymphknotenbefall ist das krankheitsfreie Überleben bei Kombination von Chemotherapie, Strahlentherapie und Operation deutlich besser im Vergleich zur Chemo- und Strahlentherapie allein. In einer Studie mit 411 Patienten mit nichtkleinzelligem Lungenkrebs und Lymphknotenmetastasen im Mittelfell wurde die Kombination aus Operation, Strahlen- und Chemotherapie mit der zweidisziplinären Therapie verglichen. Die Patienten erhielten entweder eine Chemotherapie bei gleichzeitiger niedrig dosierter Strahlentherapie und anschließender Operation oder die identische Chemotherapie mit einer voll dosierten Strahlentherapie. Die Kombination von drei Behandlungsmethoden führte zu einem krankheitsfreien Überleben von 14 Monaten gegenüber 11,7 Monaten für die Patienten, die nur die beiden Therapieformen Chemotherapie und Strahlentherapie erhielten. Nach 3 Jahren überlebten in der Dreifachkombination noch 29% der Patienten, in der Zweifachkombination 19%. Für alle Patienten mit kombinierter Therapie war das mittlere Überleben mit 22 Monaten bedeutsam länger als für Patienten, die nur eine Operation oder nur eine Strahlentherapie erhielten. Der Erfolg der Kombinationstherapie ist laut den Forschern jedoch nur erreichbar, wenn das Ärzteteam auf den Umgang mit den eingesetzten Methoden spezialisiert ist.

Für verschiedene Erkrankungen hat sich die sogenannte adjuvante (ergänzende) Chemotherapie nach einer vorausgehenden Operation als sinnvoll erwiesen. Für den nichtkleinzelligen Lungenkrebs war dieser Therapieansatz bislang wenig hilfreich. In einer internationalen Studie, in der 1.867 Patienten in 33 Ländern entweder einer alleinigen Operation oder einer Operation mit anschließender Chemotherapie zugewiesen wurden, lebten nach 2 Jahren 70% der Patienten, die nach der Operation eine Chemotherapie erhalten hatten. Von denjenigen Patienten, die lediglich operativ behandelt worden waren, überlebten nach 2 Jahren noch 67%. Nach 5 Jahren lebten von den kombiniert behandelten Patienten noch 45%, in der ausschließlich chirurgisch behandelten Gruppe nur noch 40%. Auch das krankheitsfreie Überleben war für die Kombinationstherapie deutlich besser; 61% gegenüber 55% nach 2 Jahren, bzw. 39% gegenüber 34% nach 5 Jahren. Die Autoren schließen aus dieser Studie, dass eine cisplatinbasierte Chemotherapie als ergänzende Therapie die Prognose von Patienten mit örtlich fortgeschrittenem Lungenkrebs verbessern kann. Eine fünfprozentige Verbesserung der Überlebenschance mag klein erscheinen. Sie war aber bei den Anfangsstudien zum Brustkrebs auch nicht höher, und dennoch hat sich die adjuvante Therapie beim Brustkrebs etabliert. Für Patienten mit einem nichtkleinzelligen Lungenkrebs bahnt sich somit eine Prognoseverbesserung durch ergänzende Chemotherapie an.