| Archiv |     Ausgabe 02/2002

Schwerpunkt:   
 PD Dr. med. Franz- Josef Prott
Magnetresonanztomographie (MRT) bei Wirbelsäulenmetastasen

Knochenmetastasen sind häufig die Folge eines fortgeschrittenen Tumorleidens, besonders beim Brust- und Prostatakrebs. Die Knochenszintigraphie, ein Verfahren, bei der eine radioaktive Substanz gespritzt wird, die sich besonders in den metastasenbefallenen Knochen ablagert, war in den letzten Jahren die führende Untersuchung bei der Diagnostik von Skelettmetastasen.
Zusammen mit dem klinischen Befund und der Standardröntgenaufnahme wurde dann der knochenauflösende Befund bildgebend erhärtet oder blieb unsicher, da der Befund in vielen Fällen, insbesondere bei kleinen Metastasen in der normalen Röntgenuntersuchung übersehen werden konnte.

Heute haben zunehmend die modernen Schnittbildverfahren ihren Wert in der Diagnostik von Skelettmetastasen erhalten. Besonders die Magnetresonanztomographie (MRT), ein Verfahren, welches die unterschiedliche Magnetisierbarkeit des Gewebes zur Erzeugung von Bildern nutzt, kann Verän-derungen von weniger als 1 cm Größe in der Wirbelsäule abgrenzen und diese als metastasentypische Veränderungen sichtbar machen. Hat der Patient Schmerzen oder besteht eine Bruchgefahr, sollte sich als verlässliche therapeutische Maßnahme eine Strahlentherapie anschließen, falls eine operative Maßnahme nicht sinnvoll erscheint.
Die Strahlentherapie führt dann in 70%-90% zu einer Linderung der oftmals heftigen Schmerzen.

PD Dr. med. Franz- Josef Prott
Die menschliche Wirbelsäule
Foto: Amgen

Eine völlige Schmerzfreiheit wird in mehr als 30% der Fälle erzielt.
In der Regel werden Dosen zwischen 30 und 40 Gy angewandt, die in Einzeldosen zwi-schen 2 und 3 Gy gegeben werden, so dass eine Strahlentherapie bei dieser Erkrankung etwa 2-4 Wochen dauern würde.
Wird zur exakten Definition des Bestrahlungsvolumens bei Wirbelsäulenmetastasen nicht ein MRT durchgeführt, ist oftmals wenige Wochen nach Beendigung
der ersten Therapie eine erneute Strahlentherapie notwendig, da jetzt die vorher schon vorhandenen aber nicht entdeckten Herde Schmerzen bereiten oder sogar Nervenausfälle verursachen. Die MRT der Wirbelsäule ist die sicherste und verlässlichste Methode, wenn es um die exakte Darstellung der Ausdehnung von Metastasen geht. Sie ist weiterhin eine ökonomisch sinnvolle Maßnahme, da auf diese Weise die Kosten für eine weitere Strahlentherapie und andere therapeutische Maßnahmen gespart werden sowie die Kosten für Schmerzmittelbedarf eingespart werden können. Im Vordergrund steht aber die hervorragende Wirkung der Strahlentherapie, die bei richtiger Erfassung der metastatisch veränderten Knochenabschnitte zu einer Schmerzlinderung bei 70-90% der Patienten bereits nach wenigen Bestrahlungstagen führt.

Moderne Diagnostikverfahren sollten ökonomisch aber auch verantwortungsbewusst angewendet werden. Immerhin haben Patienten mit einzelnen Knochenmetastasen gerade bei Brust- und Prostatakrebs oft noch eine Überlebenswahrscheinlichkeit von mehreren Jahren.