Patientenforum   
 Patientenfrage:
Kann Zungenkrebs mit intensitätsmodulierter Strahlentherapie behandelt werden?


Allein durch Operation oder Strahlentherapie können bösartige Tumoren im HNO-Bereich geheilt werden. Bei kleinen Tumoren wird häufiger die Radikaloperation gewählt, Strahlenbehandlung steht als Alternative mit vergleichbaren Heilungsresultaten zur Verfügung. Bei fortgeschritteneren Tumoren werden beide Verfahren schon in der Primärbehandlung kombiniert, weil Wiedererkrankungen (Rezidive) nach erfolgloser Therapie praktisch unheilbar sind.

Das biologische Verhalten einzelner Tumoren ist vom Ursprungsort der Geschwulst abhängig. Sehr unterschiedlich sind dabei die Lymphabflusswege der Kopf-Halsregion bei der jeweiligen Tumorerkrankung beteiligt. Es ergeben sich daraus häufig Zielvolumina (Gebiete, auf die die Strahlung zu konzentrieren ist), die hufeisenförmig strahlenempfindliche Gewebe (wie z. B. das Rückenmark im Verlauf der Wirbelsäule) umschliessen.

Die Abbildung 1 stellt exemplarisch die Situation eines Zungengrundtumors dar. Rot ist die zu bestrahlende Region dargestellt (Tumor linksseitig mit Lymphabfluss auf beiden Halsseiten, nur die Lymphknoten hinter dem Unterkiefer brauchen nicht bestrahlt werden). Das strahlenempfindliche Rückenmark liegt zentral (hier ist höchstens 50 % der Tumordosis akzeptabel). Für die fatale Spätfolge Mundtrockenheit ist der Funktionsverlust der Speicheldrüsen durch die Strahlenbehandlung verantwortlich. Blau wurden hier deshalb die Ohrspeicheldrüsen markiert.

Abb. 1: Zungengrundtumor Abb. 1
Herkömmliche Bestrahlungstechniken haben durch komplizierte Kombinationen von Feldern und Strahlenarten (Photonen, Elektronen) klinisch akzeptable Kompromisslösungen dargestellt.

Demgegenüber lässt IMRT zwei entscheidende Vorteile erkennen (Abb. 2):
  1. Die Dosis kann für jede Tumorkonfiguration maßgeschneidert werden. Dosisunsicherheiten an Anschlussstellen der Bestrahlungsfelder treten nicht mehr auf.
  2. Ein Speicheldrüsenschutz ist auch ohne Medikamente durch die neuartige Form der Dosisanpassung ("inverse Planung") möglich.
Erste klinische Ergebnisse bestätigen diese Voraussagen: Bei den hochaggressiven Tumoren im Nasenrachenbereich konnte bei 67 Patienten nach IMRT eine lokale Tumorkontrolle von 97 % im Untersuchungszeitraum beobachtet werden. Dieses Resultat stellt den Maßstab für nachfolgende Untersuchungen dar. IMRT wird durch weitreichende Individualisierung eine drastische Reduktion der strahlentherapiebedingten Nebenwirkungen bringen.

Zwangsläufig wird das insgesamt zu einer erkennbaren Anhebung der schon heute erreichbaren Heilungsraten durch alleinige Strahlentherapie beim Zungengrundkarzinom führen.